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Handwerk: Ein Hammer bleibt ein Hammer

Handwerk : Ein Hammer bleibt ein Hammer

Zur Glosse „Wo bleibt der Handwerker?“ (TV vom 14. November) schreibt Albert Rosch:

Pia Rolfs fragt in ihrer Glosse, wo der Handwerker bleibt. Für mich ist er in „Realschule+“ und Gymnasium untergetaucht und fristet ein freudloses über-/unterfordertes Dasein. Da hat man doch den Pool möglichen Handwerker-Nachwuchses leichtfertig zunächst politisch und dann gesellschaftlich mit der „Restschule“ plattgemacht! Anstatt ihr ein vernünftiges, zukunftsorientiertes Profil zu geben, das sich an den praktischen Fähigkeiten und Interessen der Schüler orientiert, begleitet und gefördert durch ein breit gefächertes Angebot an berufsbezogenen Praktika, hat man das „Konstrukt Realschule+“ (wieso +?) installiert, das Schüler und Lehrer frustriert! (Hören Sie sich mal in der Schullandschaft um!)

Auch morgen bleibt ein Hammer ein Hammer, den jemand bedienen muss, der am besten auch noch Deutsch spricht (weil er es gelernt hat!) und eine Rechnung schreiben kann! Wobei Handwerk immer mehr war als nur Schaufel und Schubkarre zu bedienen.

Dabei bin ich mir sehr wohl der Komplexität der heutigen Berufsanforderungen bewusst. Es heißt, die Handwerker seien die reichsten Leute im Ort, und es muss etwas dran sein an dem alten Spruch: „Handwerk hat goldenen Boden.“ Wenn man ihm aber politisch den Boden entzieht, ist es auch nicht mehr weit her mit dem sprichwörtlichen „Handwerkerstolz“. Der Handwerker sieht am Abend, was er am Tag geschafft hat, das ist für Seele und Gemüt auch nicht schlecht, besser jedenfalls als Schüler in Schulsysteme zu zwängen, wo sie sich dauerhaft am unteren Rande des Überlebens einem Schulabschluss entgegensehnen, der sie nach ihrem miesen Ergebnis sowieso anschließend im Regen stehen lässt. Sie sind einem Druck ausgesetzt, dem wir als „Erwachsene“ auf Dauer nicht gewachsen wären. Nachhilfen und familiärer Dauerstress sind die Begleiterscheinungen. Die Alternative: Die Schulen senken fortlaufend ihre Anforderungen, damit nach außen der Schein gewahrt bleibt, das System sei leistungsfähig. Die Folge: Auf allen Ebenen braucht es nach der Schule „Einführungs-Angebote“, damit der nächste Schritt in der Berufsausbildung (Praxis oder Studium) erfolgreich gestaltet werden kann. Pia Rolfs, es sieht schlecht aus mit dem Handwerker-Nachwuchs! Greifen Sie lieber selbst nach Hammer und Meißel – oder lernen Sie warten!

Albert Rosch, Leiwen