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Politik: Ein Monster, das mit klebrigen Fingern in deinen Taschen wühlt ...

Politik : Ein Monster, das mit klebrigen Fingern in deinen Taschen wühlt ...

Zum Artikel „Scholz will Steuerzahler früher entlasten“ (TV vom 3. Februar) schreibt Heinz Erschens:

Nach dem Krieg wurde Deutschland ein demokratischer Staat, getragen  von einer sozialen Marktwirtschaft, deren Ziel es war, Wohlstand für alle und nicht nur für einige wenige zu erreichen. Die Parteien kannten die Nöte der Bürger, und die Politiker waren gefordert, die Entfremdung zum Wahlvolk auszuschließen.

Nach sieben Jahrzehnten kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich Politiker und Parteien vor lauter Selbstsucht so weit vom Bürger entfernt haben, dass sie das Land nicht mehr voranbringen werden, weil sie in ihrer kollektiven Gier die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte nicht zu erkennen vermögen.

Die Entfremdung der Politik vom Bürger bewirkt, dass schwerwiegende Konsequenzen für die Demokratie zu erwarten sind. Anscheinend nehmen die überbezahlten Politiker  die Erosion der sozialen Marktwirtschaft durch sinkende Realeinkommen und den Abbau von sozialen Sicherungen kaum zur Kenntnis und fördern so die zunehmende Unzufriedenheit der Bürger mit ihrem Staat. Der hohe Prozentsatz der Nichtwähler ist dafür ein Beleg. Viele Arbeitnehmer sehen den Staat nur noch als Bedrohung an, als gefährlichen Dämon, der Arbeitsplätze vernichtet, oder als Steuern verschlingendes Monster.

Selbst bei der Streichung der Soli-Steuer liegt die Abgabenbelastung extrem hoch, und die Regierung erlaubt den meisten Arbeitnehmern nicht, dass am Monatsende noch ein wenig Geld vorhanden ist.

Ständig steigende Sozialabgaben, Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflegeversicherung et cetera lassen den geldwerten Vorteil der Soli-Streichung ins Leere laufen. Steigende Gebühren für Müllabfuhr, Strom, Wasser, Abwasser, Grundsteuer und vieles mehr lassen erkennen, dass der Mosaikstein des Soli keine erkennbare Entlastung bringt. Die Unterscheidung zwischen Steuern, Sozialabgaben und Gebühren ist für den Bürger nicht relevant. Er registriert nur, dass er am Ende des Monats immer weniger in der Tasche hat.

Der Bürger muss im Staat einen Anwalt für Schwache, Kranke, unschuldig in Not Geratene, Kinder und Alte sehen und nicht ein ihm feindlich gesinntes Monster, das mit klebrigen Fingern ständig in seinen Taschen wühlt.

Die pompöse Ankündigung des Soli-Abbaus ist anscheinend der Beginn des Wahlkampfs einer Partei, die ums Überleben kämpft.

Heinz Erschens, Kell am See