ÖPNV: Ein Schuss in den Ofen

ÖPNV : Ein Schuss in den Ofen

Zu unserem Artikel „Der Kampf um die freie Fahrt in Uniform“ (TV vom 13. August) schreibt Manfred Schmitz, Flußbach:

Hätten wir den 1. April oder noch die Wehrpflicht, passte der Vorschlag der neuen Verteidigungsministerin, unseren Soldaten in Uniform kostenlose Bahnfahrt zu gewähren, in die Zeit, denn der Sold für Wehrpflichtige war damals nur ein mageres Trinkgeld. Nun gibt es seit einigen Jahren nur noch Berufs- und Zeitsoldaten, die Gehalt bzw. Sold wie vergleichbare Bundesbeamte beziehen.

Auf den ersten Blick unverfänglich, ist der Vorschlag auf den zweiten Blick ein Flop, denn „was dem einen Recht ist, ist dem anderen billig!“: Ließe man Soldaten frei mit der Bahn fahren, müsste man andere populäre Berufsgruppen wie Polizeibeamte und Krankenschwestern auch umsonst fahren lassen.

Nicht jede spontane Äußerung einer frisch gebackenen Ministerin sollte man auf die Goldwaage legen. Doch zu dieser Idee der gelernten Juristin fällt mir nur der antike Spruch ein, „hättest Du geschwiegen, hätte man Dich für einen Weisen gehalten“.

Eine Verfassungsklage, die gleiches Recht für andere forderte, wäre so sicher wie „das Amen in der Kirche“ und sicher erfolgreich. Nehmen wir zugunsten der Ministerin an, dass sie gleich nach ihrer Vereidigung von Stolz und Eifer überwältigt, womöglich schon in Sektlaune war, als ihr der Vorschlag wie der Geist aus der Flasche bzw. wie ein  ungezielter Schuss aus dem Sturmgewehr entwichen ist.

Oder wollte sie sich bei „ihren“ Soldaten anbiedern? Ist es wirklich wahr, dass unsere Bundeskanzlerin, die eher für klaren Verstand als für Schnellschüsse bekannt ist, hinter diesem Vorschlag steht?  Als Wehrpflichtiger, Reservist und  Staatsbürger in Uniform habe ich die Uniform der Bundeswehr oft und gerne getragen und niemals Ablehnung in der Bevölkerung erlebt.

Falls sich diese Haltung gegenüber unserer Berufsarmee geändert haben sollte, könnte das ohnehin nicht durch die Präsenz uniformierter Soldaten in der Bahn geheilt werden.

Tadelloses Verhalten in der Öffentlichkeit und häufige Info-Veranstaltungen überall im Land mit Vorführungen der Waffensysteme würden am ehesten zu Bekanntheitsgrad und Akzeptanz  der Bundeswehr beitragen. Zuvor müsste jedoch der heruntergewirtschaftete, beschämende Zustand von Gerät und Ausrüstung behoben werden. Unsere Soldaten üben ihren Beruf aus wie jeder andere auch. Sie haben unsere Anerkennung, wie jeder andere Berufstätige, und brauchen keine Sonderrechte, erst recht keinen veralteten, glorifizierten Heldenmythos früherer militanter Zeiten. Der Vorschlag von AKK ist unausgegoren und abenteuerlich begründet – ein „Schuss in den Ofen!“