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Sport: Ein Vorbild des Fairplay, kein Held!

Sport : Ein Vorbild des Fairplay, kein Held!

Zum Artikel „Boris Becker in England vor Gericht“ (TV vom 7. Januar) schreibt Dietrich Liebscher:

Boris Becker vermutet, möglicherweise stecke hinter den Berichten über seine Insolvenz der Wunsch, „einen früheren Helden fallen zu sehen“. Zur Relativierung dieses erstaunlichen Selbstbildes eine Episode aus dem Leben des eleganten „Gentleman of Wimbledon“, Gottfried von Cramm: Im Davis-Cup-Halbfinale 1935 gegen die USA klärt er nach einem über ihn hinweg ins aus geschlagenen Matchball – er und Deutschland hätten in diesem Moment gewonnen – den Schiedsrichter darüber auf, dass er gespürt habe, wie die Fasern des Balls seinen Schläger noch berührt haben – niemand hatte das gesehen – und verliert das Match. Auf den wütenden Satz eines Teamkollegen, er sei ein Vaterlandsverräter, antwortet er: „Im Gegenteil, ich finde nicht, dass ich das Vaterland verraten haben … ich habe es geehrt“ (zitiert aus: „Die Zeit“ vom 28. Februar 2019). Ein Vorbild des Fairplay, kein Held! Denn: Bertholt Brecht lässt Galilei auf den Vorwurf seines Schülers Andrea – „unglücklich das Land, das keine Helden hat“ – antworten: „unglücklich das Land, das Helden nötig hat“ (vor allem: keine gefallenen!).

Dietrich Liebscher, Hermeskeil