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Gesellschaft: Eine Herzensangelegenheit

Gesellschaft : Eine Herzensangelegenheit

Zu den Artikeln „Keine Hilfe für schwerstkranke Kinder – und die Eltern verzweifeln“ und „Der Kampf um Hilfe ist entwürdigend“ (TV vom 31. Januar) schreibt Marianne Dratschmidt:

Ich arbeite seit neun Jahren ehrenamtlich für die Nestwärme, und im Kontakt mit Eltern von betroffenen Kindern höre ich seit vielen Jahren die Geschichten über Not, Verzweiflung und Resignation. Die Eltern schildern den Kontakt häufig als Kampf mit den Krankenkassen, fühlen sich alleingelassen mit ihren berechtigten Anliegen, und obendrein zehrt es an ihren Kräften, die sie doch dringend für ihre Kinder bräuchten. Der Kinderpflegedienst könnte entlasten, steht aber selber unter einem enormen finanziellen Druck und Personalnotstand. Teilhabe an einem Leben ohne Druck, Ängste und Sorgen? Fehlanzeige! Wie wichtig ist der Gesellschaft und Politik das Thema Inklusion wirklich? Inklusion bedeutet: Jeder Mensch ist akzeptiert, kann gleichberechtigt und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben. Dies gelingt in diesen Fällen doch nur, wenn die Rahmenbedingungen für eine Teilhabe erfüllt sind:

1. eine adäquate Ausstattung betroffener Familien mit Hilfsangeboten (Kinderpflegedienst, Kinderhospiz, Freizeitangebote), als Unterstützung für die oft sehr schwierige, zeitintensive Betreuung.

2. medizinische Betreuung, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Kinder, die wirkt, fördert, Sicherheit bietet.

3. entlastende Angebote für Eltern und Geschwisterkinder, um die eigene Gesundheit zu erhalten.

4. ausreichende medizinische Hilfsmittel wie Rollstühle, Windeln, Beatmungsgeräte, die kein Luxus, sondern Notwendigkeit sind.

Ich bin immer wieder beeindruckt von der lebensbejahenden, straff organisierten und trotzdem herzlichen Atmosphäre in den Familien. Ja! Diese Familien brauchen eine Lobby, und Organisationen wie die Nestwärme vertreten die Interessen der betroffenen Familien mit großem Engagement.

Es wird Zeit, dass diese Aufgabe für die Politik und alle Krankenkassen auch eine Herzensangelegenheit wird. Menschen, die Hilfe benötigen, nicht im Regen stehen zu lassen, das zeichnet eine umsichtige, tolerante und zugewandte Gemeinschaft aus. Für mich ein gutes Signal für eine Gesellschaft, in der ich/wir leben will/wollen!

Marianne Dratschmidt, Trierweiler