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Eine Million Euro, wenn Sie ...

FOTO: TV / Klaus Kimmling
Jaaa! Jackpot! Juchhu!

Das Angebot ist verlockend. „Wenn ich den Jackpot knacke, schenke ich Ihnen eine Million Euro“, schreibt Herr Sch. aus Sch., ein treuer Leser. „Aber nur, wenn Sie meine Scheißereien umgehend-eilig im Volksfreund bringen!“ (Verzeihung, böses Wort, O-Ton)

Mit seinen Sch... meint Herr Sch. einen Brief, den er geschrieben hat. Es geht darin um eine Revolution und die Erlösung der Menschheit, es geht um Jesus und die Gebete der Christen, es geht um die Saudis, Assad, Putin, Erdogan und andere zwielichtige Gestalten, denen Herr Sch. die Sch..., also die Diarrhoe, wünscht – auf dass unsere Welt eine bessere werde. Denn wenn die vorgenannten Herrschaften und ihre Schergen auf dem Lokus säßen, so die Argumentation, könnten sie nichts Böses tun.

Gegen diesen Plan, lieber Herr Sch., ist nichts zu sagen. Keine Ahnung, ob er funktionieren würde. Die Million nehme ich gern. Und mache trotzdem, was ich will, denn ich bin: unbestechlich. Ihnen viel Glück!

Rückblende, eine andere Geschichte. Leser Heinrich Beschorner, Jahrgang 1931, ruft an. Er sagt, dass er nicht glaubt, was Benjamin Ferencz, US-Jurist und Chefankläger in einem der Nürnberger Prozesse, über Trier und das Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt hat (zuletzt Thema in dieser Kolumne).

Zitat Ferencz: „Am 12. April 1945, als ich vom Tod des Präsidenten Roose­velt erfuhr, saß ich in dem zerbombten Hotel Porta Nigra in Trier an einem weißen Tisch und bereitete mich auf meine Aufgabe vor. Im Keller stand der ausgelaufene Wein aus zerstörten Fässern kniehoch, die Soldaten schöpften den Wein mit ihren Helmen und tranken ihn.“

Klingt spektakulär. Stimmt’s denn? Am 2. März 1945 nahmen Truppen der 3. US-Armee unter General George Patton Trier ein; Captain Robert Wilson hisste auf dem Hotel Porta Nigra das Sternenbanner. Das ist Fakt. Doch dass die Sieger, mehr als einen Monat danach, noch immer feierten – kniehoch im Wein stehend, aus ihren Helmen bechernd?!

„Kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Zeitzeuge Heinrich Beschorner. „Wir sind am 3. April 1945 nach Trier zurückgekehrt. Die Stadt war zerstört, fast menschenleer. Ich habe die Amerikaner erlebt, sie waren höflich und diszipliniert. Von Exzessen weiß ich nichts.“ Wieder was gelernt. Und jetzt schicke ich Herrn Sch. meine Kontonummer ...

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

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