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Bildung: Einfach, aber genial

Bildung : Einfach, aber genial

Zur Berichterstattung über den Schulstreik fürs Klima (Fridays for Future) schreiben Angela Junk und Peter Trauden:

Zum Artikel „Karliczek lehnt Demonstrieren in der Schulzeit ab“ (TV vom 1. März):

Ganz ehrlich? Mir imponieren die demonstrierenden Schüler am Freitag nicht. Vielleicht einfach deshalb, weil ich mir vorstelle, dass es einfach easy ist, am Freitag zu demonstrieren anstatt zur Schule zu gehen.

Wie wäre es stattdessen mit eigenen Beiträgen zum Umweltschutz? Zum Beispiel Handynutzung zu minimieren, Licht auszuschalten, Elektrogeräte ebenso, Plastikmüll zu vermeiden, Fastfood zu minimieren, weniger Klamotten zu kaufen, dreckige Schuhe nicht auf Sitzbänken im Bus abzustellen?

Meine Liste ist beliebig erweiterbar.

Doch das Erstaunlichste an diesen Freitagsdemonstrationen ist, dass der Eindruck erweckt wird, wir Erwachsene würden uns nicht mehr zutrauen, unsere Kinder zu erziehen. Es wird hingenommen, dass unsere Kinder nun freitags nicht mehr zur Schule gehen.Funktioniert! Es wird schick, zur Demo zu gehen.

Eine 16-jährige Schwedin wird zur Kultfigur, zum Vorbild in Sachen Klimaschutz und Schule schwänzen für die Umwelt.

Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass es immer mehr Eltern gibt, die Angst vor jeder Auseinandersetzung mit ihren Kindern haben? Die insgeheim wissen, dass sie in der Erziehung keine Kraft mehr haben, um irgendeine Position zu diskutieren?

Und warum gibt es immer weniger Schüler, die sich im wahren Leben engagieren möchten? Demonstrieren ja, aber nicht während der Schulzeit!

Für mich wären Schüler viel glaubwürdiger, wenn sie samstags oder sonntags und während der 70 schulfreien Tage im Jahr demonstrieren würden.

Eltern und Lehrer wären für mich zudem am glaubwürdigsten, wenn sie es schaffen würden, ihre Kinder freitags dahin zu bringen, wo sie hingehören: in die Schule.

Und noch glaubwürdiger wäre das Ganze, wenn Lehrer und Eltern gemeinsam für eine bessere Bildung einträten.

Daraus könnten dann auch sinnvolle Aktionen und Projekte für den Klimaschutz entstehen.

Angela Junk, Bitburg

Zum Beitrag „Merkel lobt Schüler­demos für den Klimaschutz“ (volksfreund.de vom 2. März):

Da muss ich der Kanzlerin mal ausnahmsweise recht geben. Was die jugendlichen, schulschwänzenden Protestierer und ihre „Anführerin“ Greta Thunberg da machen, ist einfach nur richtig.

Der Klimawandel hat nicht auf neunmalkluge, scheibchenweise agierende Politiker gewartet, sondern ist im vollen Gange. Die Kids haben gemerkt: Wenn wir denen jetzt nicht richtig Druck machen, wird möglicherweise unsere Zukunft der „political correctness“ geopfert.

Ja, Schule schwänzen ist nicht gut, wenn damit lediglich die Erweiterung der persönlichen Freizeitgestaltung, also das Herumlungern, praktiziert werden soll. Hier ist es aber ganz anders. Schulschwänzen wird als Protestmittel genutzt, um höchstmögliche öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen. Und das ist eine einfache, aber geniale Taktik, die ich hiermit ausdrücklich unterstützen möchte.

Wenn man liest, was der Vorsitzende der konservativen „Werte­union“, Alexander Mitsch, an seiner Kanzlerin herumzunölen hat, kommt man unversehens ins Lachen: „Die Kanzlerin fällt der Bildungsministerin und verantwortungsbewussten Schulleitern und Lehrern in den Rücken!“

Ja, geht’s noch? Wir sollten froh sein, dass es diese jungen Menschen gibt, die nicht nur herummaulen, kluge Sprüche von sich geben oder einfach nur desinteressiert alles mit sich machen lassen. Davon gibt es – nicht nur unter den Jugendlichen – schon viel zu viele. Hier wird beispielhaft gezeigt, dass Karriere oder gute Noten anzustreben nicht alles ist und keiner für sich alleine auf der Welt herumspaziert.

Nach den Jugendprotesten in den USA gegen eine völlig verrückt gewordene Waffenlobby nebst ebensolchem Präsidenten machen die Klima-Protestierer es ganz ähnlich nach dem Motto: Nehmt uns besser jetzt ernst, denn in nicht zu ferner Zukunft könnten wir es sein, die euch für euer Nichtstun zur Verantwortung ziehen werden!

In diesem Sinne wünsche ich der neuen Bewegung nur das Beste.

Peter Trauden, Heilbach