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Katholische Kirche : Einfach sprachlos

Katholische Kirche : Einfach sprachlos

Zu den Artikeln „Kriminologe attackiert Trierer Bischof“ (TV vom 18./19. April) und „Bistümer im Land suchen Gespräch mit Opfern“ (TV vom 20./21./22. April)  sowie zu den Leserbriefen unter der Überschrift „Es reicht – endgültig!“ (TV vom 27./28. April) schreiben Manfred Butz, Rolf Linn und Marian Modemann:

In Gesprächen mit Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen kam es selten vor, dass wir über Kirchenaustritt sprachen. Es war immer ein nebensächliches Thema.

 Einige waren aus der Kirche ausgetreten. Keiner wegen des Geldes. Immer ging es um das, was ihre Vertreter und Vertreterinnen sagten und das, was sie vorlebten. Ein krasser Gegensatz.

Die meisten blieben aus Trägheit oder Rücksicht gegenüber der Familie oder anderen Gründen in der Kirche. Wenige aus Überzeugung. Ich selbst versuchte es immer mit Argumenten für die Kirche.

Nach den neuesten Anschuldigungen gegen Bischof Ackermann (und dessen Hintermänner) fehlen mir die einfachsten Argumente. Ich bin sprachlos.

Manfred Butz, Pluwig

Bedenklicher als die Form des Umgangs von Bischof Ackermann mit dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer erscheint mir der Hintergrund, der zum Scheitern des geplanten Forschungsprojektes geführt hat. In einem Interview in der „Zeit“ vom 17. April schilderte Herr Pfeiffer aus den Ergebnissen einer Studie des John Jay College, New York, die den Missbrauch durch Priester in den USA untersucht hatte: „Danach waren in der Phase des stärksten Missbrauchs nur fünf Prozent der priesterlichen Täter echte Pädophile. Alle anderen hatten andere sexuelle Zielobjekte, nämlich Frauen oder Männer, an die sie aber im extrem prüden Amerika damals nicht rankamen – und sich ersatzweise an Kindern vergingen.“

Pfeiffers Aussagen in dem Interview zufolge ist das Projekt vor allem an der Weigerung der katholischen Kirche gescheitert, diese Ursachen für den Missbrauch auch in Deutschland durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen untersuchen zu lassen und die Ergebnisse auch veröffentlichen zu dürfen. Solange die Kirche dazu nicht bereit ist, muss man annehmen, dass ihr das eigene Ansehen wichtiger als der Schutz der Kinder ist.

Rolf Linn, Trier

Eckhard Otto greift in seinem Leserbrief Bischof Stephan Ackermann und dessen Verhalten in der „Missbrauchsaffäre“ an. Ich will Herrn  Ackermann nicht verteidigen, aber ich will erwähnen, wo er steht und wem er angehört. Er ist Katholik, gehört dem katholischen Klerus und der Kirchenhierarchie an. Viele Täter kommen aus diesen Kreisen. Dazu kommen alle Mittäter, die durch Vertuschen, Versetzen von Tätern in andere Pfarreien (Zuführen von „Frischfleisch“), Bedrohen der Eltern (die ihre Stimme für Missbrauchte erhoben haben) mit Rechtsanwälten und Geldangebote an Eltern (sofern sie eine Schweigeverpflichtung eingingen) für ein Umfeld sorgten, in dem Täter relativ sorglos ihre Taten begingen. Stephan Ackermann ist nun der „Oberaufklärer“ seitens dieser Kirche. Nun hat er eine „Studie“ in Auftrag gegeben, bei der die Autoren keinen Zutritt zu den Archiven erhielten. Material erhielten sie, das ausgewählt worden ist von Leuten des Bistums (in deren Reihen die Vertuscher sind). Der Trierer Bischof agiert voll im Interesse seiner Gruppe. Er sorgt für  Publicity, die seiner Gruppe dienen soll. Man soll den Eindruck gewinnen, „die Kirche tut etwas“. Dazu passt voll der Artikel aus dem TV „Bistümer im Land suchen Gespräch mit Opfern“ plus Bild von Stephan Ackermann auf Seite eins.

Tja, am besten bremst man Aufklärung von der Spitze der sogenannten Aufklärer aus.

Marian Modemann, Trier