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Gesundheit: Einigermaßen irritierend

Gesundheit : Einigermaßen irritierend

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Petra Carvalho Gomes, Tino Schatz, Dr. Christian Fruböse, Ursula Lode und Annegret Seemann:

Pan(n)demie – ein Jahr Pleiten, Pech und Pannen. Pech und Pleiten spare ich mir, die sind allseits bekannt. Die Pannen im Laufe des vergangenen Jahres können sich zusammengefasst allerdings echt sehen lassen: fehlende Masken – es wurde fleißig genäht und gebastelt. Bis vor wenigen Wochen diese Masken plötzlich nicht mehr reichten. Jetzt müssen medizinische Masken getragen werden, sie sind ja wieder ausreichend verfügbar. Wer sich da wohl jetzt die Taschen füllt? Zu wenig Desinfektionsmittel, es wurde überteuert verkauft oder man wurde erfinderisch, so mancher Schnaps wurde einfach zweckentfremdet. Unser Gesundheitssystem – komplett überfordert: erst keine Intensivbetten, mittlerweile kein Personal. Fehler der Vergangenheit, die sich jetzt bitterböse rächen und Menschenleben kosten. Impfung – die Lösung des Pandemie-Problems überhaupt, sagt die Regierung. Nur, was fehlt? Ausreichend Impfstoff! Ein Grundschüler hätte ausrechnen können, wie viele Impfdosen Europa braucht. Ach ja, Schüler konnten leider nicht beim Rechnen helfen, Schule fällt doch seit einem Jahr mehr oder weniger aus! Aber auch hier hat man jetzt endlich die Lösung: Selbsttests! Herrlich! Auf dieser Basis soll Unterricht dann wieder möglich sein? Einfach genial. Und dann jetzt die gefürchtete Spaltung unserer Gesellschaft in Geimpfte (denen so manche Vorteile eingeräumt werden) und Nichtgeimpfte (ob selbst so gewollt oder weil man eben noch nicht dran ist). Wird das noch Stress geben? Ganz sicher sogar. Und all diese Probleme werden jetzt auch noch zum Wahlkampf missbraucht – großartig. Wen wundert es, dass der Durchschnittsbürger den Glauben an unsere Volksvertreter verloren hat? Schade nur, dass man hierzulande nicht auf die Straße geht und seinem Frust lautstark Ausdruck verleiht. Seit einem Jahr schränken sich die Menschen ein, verlieren Jobs, Existenzen und soziale Kontakte, werden seelisch krank. Und von oben folgt ein Lockdown dem nächsten, ohne Perspektive. So mancher wird jetzt sagen, dann mach´s doch besser. Nein, auch ich habe keine Lösung des Problems. Aber ich habe mir den Job als Volksvertreter auch nicht gesucht und werde entsprechend bezahlt. Man hat es dort oben gerade nicht leicht, aber dieses hilflose Agieren und Herumstolpern ist einfach unwürdig.

Petra Carvalho Gomes, Ralingen-Wintersdorf

Ich finde es einigermaßen irritierend, wie von Querdenker-Seite hinsichtlich der Corona-Berichterstattung auf unsere öffentlich-rechtliche Presse eingedroschen wird. Bei Artikeln wie dem von Bernd Wientjes „Was bringt eine Ausgangssperre?“ (TV vom 12. April) sollte es wenig bis gar keinen Widerspruch aus diesem Lager geben. Wer allerdings eine journalistisch einwandfreie, fundierte Abwägung der Ausgangsfrage erwartet hat, sah sich getäuscht. Tatsächlich geht es in diesem Artikel im Wesentlichen um eine Entscheidung des Trierer Verwaltungsgerichtes, das sich mit dem Widerspruch eines vorzugsweise nachts joggenden Privatmanns gegen seine eigene Ausgangssperren-Anordnung als Landrat auseinandersetzen musste. Klar, dass eine solch skurrile Geschichte in die Lokalzeitung gehört. Doch was kam heraus? Das wird nicht so ganz deutlich. Die Richter konnten offenbar aus verschiedenen Gründen keine Entscheidung in der Sache treffen, lehnten es sogar ab, die Ausgangssperre zu kippen, nannten aber gewisse Umstände, die eine Ausgangssperre als fragwürdiges Mittel erscheinen lassen.

Letzteres nun – so der Autor – könnte man „durchaus als Kritik an der vom Land verordneten Notbremse“ verstehen. Gut – kann man, muss man aber nicht. Doch damit war es Bernd Wientjes nicht genug. In seinem Artikel wird sodann einem Facebook-Eintrag eines Bielefelder Richters breiter Raum gegeben, der sich gegen nächtliche Ausgangssperren entrüstet. Nach der Nutzung dieser fundierten Quelle wird auf eine Stellungnahme des Präsidenten der Landesärztekammer eingegangen, der im TV in der Vorwoche vor weitreichenden Lockdown-Maßnahmen gewarnt hatte. Und schließlich kommt noch ein – die gibt es bei uns offenbar auch – „Trierer Virologe“ zu Wort, der Pauschalmaßnahmen sehr kritisch sieht. Die Masse der Menschen verhalte sich korrekt. Warum dann die Inzidenzzahlen steigen und die Intensivstationen trotzdem volllaufen, bleibt unerwähnt. Und das war es mit der Erläuterung der Frage: „Was bringt eine Ausgangssperre?“. Ziemlich einseitig, diese Betrachtung. Aber vielleicht ist es genau das, was die Querdenker von einer journalistischen Berichterstattung erwarten.

 Tino Schatz, Trier

Alle sind sich einig: Die Schulen sollen möglichst lange offen gehalten werden. Als Lehrer sage ich: Ja, das ist wichtig und richtig, denn die Kinder und Jugendlichen leiden unter den Schulschließungen und der Beschneidung ihrer sozialen Kontakte außerordentlich. Nicht nur ihre intellektuelle Entwicklung wird durch die bisher eingesetzten (relativ brachialen) Corona-Maßnahmen massiv gestört. So erstaunt es nicht, dass nach den Planungen der Politik zwar bereits bei einer Inzidenz von 100 nächtliche Ausgangssperren (!) und Schließungen der Geschäfte angeordnet werden sollen, die Schulen aber bis zu einer Inzidenz von 200 im Präsenzunterricht arbeiten sollen. Wenn man bei derart hohen Inzidenzen und vor dem Hintergrund einer sich offensichtlich ausbildenden dritten Welle die Schulen offen halten will, dann muss man auch Maßnahmen treffen, damit dieses Unterfangen nicht im Desaster endet. Das geschieht aber nicht. Ich nenne nur drei Schwachpunkte:

1. Es wurden bis heute nur wenige Luftfilter pro Schule angeschafft. Stattdessen wird in zugigen, aber dennoch nicht ausreichend gelüfteten Räumen unterrichtet. Wenn jeder der circa 400 000 Klassenräume in Deutschland mit einem Luftfilter für 1000 Euro ausgestattet worden wäre, dann hätte das 400 Millionen Euro gekostet. Das wären Peanuts gewesen, aber die Schulen wären heute sicherer, und man hätte viel früher wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen können, vielleicht sogar ohne Maske?

2. Schnelltests in allen Schulen würden ein zuverlässiges Bild über das Infektionsgeschehen im ganzen Land liefern, aber nur dann, wenn sie verpflichtend für alle sind. Das wäre endlich mal eine sinnvolle Teststrategie, von der die Politik schon so lange fabuliert und das RKI bis heute träumt. Aber nur dann, wenn alle mitmachen! Und nur wenn alle mitmachen, erzeugen sie Sicherheit in den Schulen und den daran hängenden Familien! Genau das ist nicht der Fall. In Rheinland-Pfalz sind diese Tests freiwillig. Die Politik fordert zwar lauthals und mit moralisierendem Unterton verpflichtende Tests in allen Betrieben ein – was durchaus sinnvoll ist –, aber sie schafft es nicht, in ihrem eigenen Verantwortungsbereich ein funktionierendes und zuverlässiges Testsystem zu installieren. Man hat schlichtweg vergessen, diese unerlässliche Maßnahme klug und mutig vorzubereiten. Schulen werden bei zunehmender Inzidenz ohne umfassende Tests jetzt sehr schnell Hochrisikozonen werden.

3. Derzeit sind die 60+er, sofern sie im Arbeitsleben stehen, die vulnerabelste Gruppe. Denn die ganz Alten und Pensionäre sind ja alle geimpft. Aber der Staat hat lange keinerlei Anstalten gemacht, Lehrer aus dieser Gruppe zu impfen. Dennoch sollen sie auch bei einer Inzidenz über 100 pflichtbewusst ihren täglichen Dienst versehen und dabei im Kontakt mit Hunderten von Schülern ihre Gesundheit riskieren. Selbst wenn sie in den nächsten Wochen einen Impftermin bekommen würden, für die dritte Welle wäre das zu spät. Wo war (und ist) hier die Fürsorgepflicht des Dienstherrn?

Dr. Christian Fruböse, Trier

Bezugnehmend auf die Maskenpflicht für das pädagogische Personal in Kindertagesstätten möchte ich Folgendes anmerken: Die Fachkräfte in den Kitas bemühen sich, das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. Trotz ständigem Personalmangel sorgen sie dafür, dass die Kindertagesstätten laufen.

Mit großer Sorge sehe ich seit Beginn der Pandemie, was an zusätzlichen Aufgaben auf die Mitarbeiter und besonders die Leitungen zugekommen ist, ohne, dass sich der Personalschlüssel verbessert hat.

Für die seelische, soziale und kognitive Entwicklung der Kinder ist es wichtig, dass sie „Normalität“ (Erzieher ohne Masken) in der Kita erleben.

Die Maskenpflicht für Erzieherinnen und Erzieher ist der denkbar schlechteste Weg. So etwas kann nur von Leuten angeordnet werden, die nie in einer Kindertagesstätte gearbeitet haben. Wenn die Corona-Lage in unserem Land so angespannt ist, müssen die Kitas geschlossen werden. Sowohl zum Schutz der Kinder als auch der pädagogischen Mitarbeiter und um jeglichen Schaden von den Kinder abzuwenden, die uns anvertraut sind.

Ursula Lode, Thalfang

Zum Artikel „Das lange Warten auf die Spritze“ (TV vom 15. April):

Allein diese Überschrift enthält unnötige Polemik!

Auch bei Arztterminen müssen Wartezeiten in Kauf genommen werden. Gerade bei einem solchen Mammutprojekt, wie die Impfung von Abertausenden, sollte es selbstverständlich sein, dass eine gewisse Dauer einkalkuliert wird Anstatt dankbar zu sein, endlich die Chance zur Impfung zu bekommen, wird sich unaufhörlich beklagt und beschwert!

Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass die Abläufe im Impfzentrum Trier zügig und sehr gut organisiert vonstattengehen. Auch die Warteschlange war corona-konform. Das Personal ist hilfsbereit und zuvorkommend.

Annegret Seemann, Welschbillig