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Zum Leserbrief "Erst Angststarre, dann Harakiri" (TV vom 18./19. Juni):

Meinung

Drei Gründe für den Ausstieg aus der Atomkraft
Prof. Dr. Wolfgang Sendler beschreibt den Atomausstieg als "Angststarre" und "Harakiri". Mit Belegen aus Veröffentlichungen der IEA zeichnet er ein düsteres Szenario hinsichtlich des CO{-2}-Ausstoßes und dessen Folgen für die Erderwärmung, vergisst aber dabei dreierlei, nämlich erstens, dass die Mehrheit seit den 70er Jahren den Atomausstieg fordert, wegen Nicht-Beherrschbarkeit der Technik, wegen der Folgen, die ein Gau auslöst, wegen ungelöster Endlagerungsprobleme, wegen fehlender Haftung durch die Betreiber und wegen verschleierter echten aktuellen und zukünftigen Folgekosten. Zweitens suggeriert der Text, dass der nun fehlende Atomstrom durch fossile Stromerzeugung ersetzt wird, dabei will man doch die Primärenergie im Wesentlichen durch Sonne, Wind und Wasser erzeugen und so die CO{-2}-Emissionen nach und nach zurückfahren, denn diese Art der Energieerzeugung ist zeitlich begrenzt, zumal der Energieverbrauch durch die Industrie-, aber auch die Schwellenländer (ganz vorne: China und Indien) drastisch zunehmen wird. Auch ohne den Atomausstieg muss sich die Welt langfristig nach anderen Energiequellen umsehen, denn selbst die Rohstoffe, die für die Atomstromerzeugung benötigt werden, sind nicht unbegrenzt verfügbar. Je eher man sich umsieht, desto besser. Und drittens: Der Atomausstieg wird in absehbarer Zeit einen technologischen Schub erzeugen, den sich Deutschland zunutze machen kann. Die zitierte IEA schreibt in ihrem Bericht "World Energy Outlook 2010" unter anderem, dass die Zukunft erneuerbarer Energien entscheidend von der "robusten" staatlichen Förderung abhängen wird. Sie wird sich, so die Prognose, bis 2035 verdreifachen und von derzeit 19 Prozent Weltanteil (2009) auf ein Drittel anwachsen und zur Kohle aufschließen. Den Gau in Japan gab es da noch nicht, und der "Ausstieg vom Ausstieg" war gerade mal zwei Monate alt. Mit der Kehrtwende in der Energiepolitik ist zweifellos noch lange nicht alles im Reinen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat etliche Schwachstellen, die es auszumerzen gilt. Die Unabhängigkeit des Gesetzgebers ist stark gefordert. Wenn sich Deutschland nun endlich mehr der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen hinwendet, zweifellos bedingt durch Fukushima, frage ich mich: Wo sind da "Angststarre" und "Harakiri"? Heinz Herres, Föhren