Energie

Zum Artikel "Die FDP will frischen Wind ins Land blasen" (TV vom 14./15. Juli):

Man kann Volker Wissing nur gratulieren für einen neuen Anlauf bei der Planung der Energiewende, wenn er vorschlägt, die Windräder an den Autobahnen zu bauen. Die mit den Windkraftanlagen einhergehenden Lasten und Gefahren werden minimiert: Die zusätzliche Geräuschentwicklung dürfte man getrost vernachlässigen, Schlagschatten spielen wegen der Eigenbewegung des Autos keine Rolle, und schließlich werden wohl kaum weitere Tiere vergrämt, die schon längst die Autobahnen meiden. Auch kann man Herrn Wissing nur zustimmen, wenn er die Landesregierung wegen ihrer Untätigkeit bei der Planung rügt. Angeblich will Rot-Grün eine Zerspargelung der Landschaft verhindern. Wenn aber jede Verbandsgemeinde mehrere Windparks plant, wie kann dann eine vollständige Überwältigung der Landschaft durch diese Maschinen verhindert werden? Richtig ist auch, dass der gegenwärtige Planungsprozess viel zu langsam verläuft. Noch steht kein Raumordnungsplan, aber die Gemeinden sind bereits hoffnungslos zerstritten. Noch sind die Gerichte nicht angerufen, aber juristisch delikate Fragen sind bereits deutlich sichtbar am Horizont zu sehen: Warum werden Windkraftanlagen nur auf Gemeindeeigentum geplant? Wie kann es angehen, dass Planungshoheit und finanzielle Interessen in einer Hand vereinigt sind? Ist es nicht eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, wenn die Moseltalgemeinden ihren Nachbarn auf dem Berg die Windkrafträder vor die Nase setzen und den großen Reibach machen? Auch stellt sich die Frage, ob nicht die Entwertung der Privatgrundstücke im Bereich von Windkraftanlagen eine schleichende Enteignung darstellt, die entschädigungspflichtig wird. Mit Enttäuschung muss man feststellen, dass die Energiewende zu einem riesigen Finanzpoker verkommen ist. Es geht ums Geld und nur ums Geld. Naturschutzkriterien werden immer mehr aufgeweicht. Wenn selbst grüne Politiker als wesentlichstes Ziel definieren, das Geld dem Lande zuzuführen und die Versorger möglichst leer ausgehen zu lassen, dann kann man nur staunen. Ist nicht die Durchsetzung finanzieller Interessen auf Kosten der Natur ein typischer Vorwurf, der immer gegenüber dem Kapitalismus erhoben wird? Dr. Nikolaus Garbers, Gornhausen