ENERGIE

Zum Kommentar "Das Fracking-Vielleicht-Gesetz" und zum Interview "Der Widerstand ist inzwischen irrational" (TV vom 2./3. April):

Erst einmal ein großes Lob an Herrn Kolhoff für seinen Kommentar zum Thema Fracking. Dieser trifft sicherlich die Meinungen des überwiegenden Teils der Bevölkerung. Die Politik hingegen hört anscheinend auf die Industrie und ihre in Berlin so zahlreich vertretenen Lobbyisten. Einer von dieser Gesinnung ist der im TV-Interview zitierte Stephan Kohler. So ist auch leicht zu erklären, wieso er den Widerstand gegen Fracking für "irrational" hält. Neben seinen glänzenden Beziehungen zu Wirtschaftsminister Gabriel wurde er 14 Jahre lang als Chef der Deutschen Energieagentur vom Staat und großen Konzernen bezahlt. Sein derzeitiger Arbeitgeber, der Energiedienstleister Getec, verdient unter anderem sein Geld mit Gas. Kein Wunder also, wenn er sich in seiner Funktion als Energieexperte eher der Wirtschaft als der Umwelt verpflichtet fühlt. Die Ministerin für Umweltschutz hingegen sollte diese schützen. Stattdessen verrichtet sie ihre vom Parteikollegen Gabriel und der Industrielobby aufgetragene Aufgabe und versucht stümperhaft, diese in der Öffentlichkeit zu vertreten. Das neue Gesetz schafft Probleme, die vielleicht Jahre oder Jahrzehnte im Untergrund vor sich hin gären und anschließend nicht mehr zu beheben sind. Das alles, damit ein paar börsennotierte Unternehmen etwaige Gasvorkommen in ihre Bücher schreiben können, um ihren Börsenkurs zu beflügeln und die Aktionäre zu befriedigen. Die Bundesregierung ebnet den Weg für Unternehmen, die auf schnellen Profit ohne Rücksicht auf die betroffenen Regionen und kommende Generationen setzen. Wirklich unabhängige Experten nennen Fracking schlicht und ergreifend "energiepolitisch unbedeutend". Die rentabel abbaubare Menge an Fracking-Gas wird auf 0,2 Billionen Kubikmeter geschätzt, was dem derzeitigen Erdgasbedarf Deutschlands von gerade einmal zweieinhalb Jahren entspricht. So wird unter dem Deckmantel der Forschung die Umwelt verkauft. Anfang 2013, als Stephan Kohler noch nicht für einen Energiedienstleister im Gasgewerbe tätig war, sagte er jedenfalls noch selbst: "Fracking ist bei uns nicht notwendig." Matthias Heck, Bettingen