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„Entnazifiziert“ werden müsste das Russland putinscher Prägung

Leserbrief : „Entnazifiziert“ werden müsste das Russland putinscher Prägung

Zu „Selenskyjs Ideen werden Putin kaum umstimmen“ (TV vom  23. März) sowie weiteren Artikeln zum Ukraine-Krieg:

Ich würde gerne einen Offenen Brief an Herrn Putin im Kreml schreiben. Dass ihm dieser vorgelegt würde, glaube ich nicht. Da Putin aber als ehemaliger Resident des sowjetischen Geheimdienstes in Dresden (DDR) hervorragend meine Sprache beherrscht, würde er ihn ohne fremde Hilfe lesen können.

Ich wurde 1933, im „Jahr des Unheils“, geboren, erlebte und erlitt im Alter von sechs bis zwölf Jahren von Herbst 1939 bis Frühjahr 1945 den verbrecherischen Zweiten Weltkrieg. Mit dem Nationalsozialismus Hitlers hatte meine Familie (entschiedene evangelische Christen) nichts im Sinn. Als das „Großdeutsche Reich“ im Mai 1945 kläglich unterging, war ich kein Kind mehr, sondern ein „Wissender“ um Kriegsverbrechen und Kriegsverbrecher. Doch Putins Freundschaft mit Kanzler Schröder machte mir Hoffnung auf eine bessere Zukunft beider Völker. Das war leider ein schwerer Irrtum.

Putin führt einen nicht zu rechtfertigenden Angriffskrieg gegen die Ukraine, die verständlicherweise nicht zu einer Sowjetunion putinscher Prägung gehören will. Selbst wenn Menschen in der Ukraine anders oder „falscher“ denken als Putin: Den Begriff „Entnazifizierung“ hätte er in diesem Fall besser vermieden. „Entnazifiziert“ werden müsste das Russland putinscher beziehungsweise stalinistischer Prägung. Mit dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen das Nachbarland, verbunden mit schweren Kriegsverbrechen, hat Putin sich historisch eingereiht in die Reihe von Potentaten wie dem römischen Kaiser Nero, Adolf Hitler und Stalin, um nur einige zu nennen.

Ich fordere Herrn Putin auf: Machen Sie endlich echten Frieden mit der Ukraine! Ein Frieden „Moskauer Art“, wie er ihn derzeit praktiziert, ist der „Friedhof ermordeter Menschen“. Etwas anderes kann ich in Putin nicht sehen, selbst wenn er sich „telegen“ vor Kameras auf russische Art mehrfach „bekreuzigt“.

Die getöteten oder verstümmelten ukrainischen Kinder und Zivilisten, aber auch die in Putins Krieg gefallenen russischen Soldaten sind vor Gott Zeugen, dass er bei Fortsetzung seiner Gewaltpolitik einen „Ehrenplatz“ unter den Kriegsverbrechern der Menschengeschichte verdient hat. Und das hat das große Russland nicht verdient!