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Straßenverkehr: Entzieht ihnen die politische Fahrerlaubnis!

Straßenverkehr : Entzieht ihnen die politische Fahrerlaubnis!

Zu den Artikeln „Ist der neue Bußgeldkatalog ein Führerscheinvernichter?“ und „Scheuer will Raser (doch) nicht so bestrafen“ (TV vom 18. Mai) schreiben Werner Schmidt, Dr. Hermann Severin und Peter Knebel:

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geht es nur darum, die Autolobby und die PS-Junkies zu schützen. Wer sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbeschränkung hält, verliert auch nicht seinen Führerschein. Man muss sich wie im übrigen Leben an Regeln und Gesetze halten, um Strafen zu umgehen.

Ein Fahrverbot bei Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit um 21 km/h, wenn man durch eine Ortschaft rast, hält der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder aus der Eifel für unverhältnismäßig. Er kann gerne mal Bernkastel-Kues besuchen und schauen, wie häufig, massiv und unverhältnismäßig gegen Tempo 50 verstoßen wird. Wer ein Ortseingangsschild ignoriert und die damit vorgeschriebene Geschwindigkeitsbeschränkung, dem fehlt die geistige Reife, um am Straßenverkehr teilzunehmen. Eine Bußgelderhöhung von 80 auf 100 Euro, wie von Herrn Schnieder vorgeschlagen , wird die Raser ja wirklich erschrecken und zur Einsicht bewegen. Manchen Politikern müsste man wegen ihres Einsatzes für die Autolobby die politische Fahrerlaubnis entziehen.

Werner Schmidt, Bernkastel-Kues

Der Eifeler CDU-Politiker Patrick Schnieder fordert eine Änderung der gerade erst geänderten Straßenverkehrsordnung, Anwälte aus der Region warnen vor unverhältnismäßigen Strafen, Kritiker bezeichnen den neuen Bußgeldkatalog als Führerscheinfalle. Auch der ADAC begrüßt die Absicht von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, die gerade erst verschärften Regeln zu Fahrverboten für Raser angesichts von Protesten wieder zu kippen.

Für die Herren Scheuer und Schnieder, den ADAC und die Anwälte ist es „unverhältnismäßig“, wenn man bei mehr als 20 km/h Geschwindigkeitsüberschreitung mit einem einmonatigen Fahrverbot bestraft wird. Anders formuliert: Kann doch mal passieren, dass man 23 oder 24 km/h zu schnell fährt, ist doch nicht weiter schlimm ... dann wird man unglücklicherweise dabei geblitzt ... und man braucht den Führerschein doch beruflich!

Haben alle diese Herren sowie die mehr als 140 000 Unterstützer der Petition „Führerschein-Falle der StVO-Novelle rückgängig machen“ immer noch nicht begriffen, dass der normale Anhalteweg bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h 18 Meter beträgt, sich bei 50 km/h auf 40 Meter verlängert, bei 70 km/h 70 Meter und bei 90 km/h 107 Meter beträgt?

Bei einer reaktionsschnellen Gefahrenbremsung (Vollbremsung) ergeben sich bei 30 km/h 13,5 Meter, bei 50 km/h 27,5 Meter, bei 70 km/h 45,5 Meter und bei 90 km/h 67,5 Meter.

Zu dieser Thematik ebenfalls zu empfehlen ist – man kann es kaum glauben – eine Broschüre des ADAC. Bitte googeln Sie nach „verkehr und mathe anhalteweg 45164.pdf“. Die Datei enthält Unterrichtsbeispiele für die Berechnung des Anhaltewegs. In einer Grafik „Anhalteweg und Restgeschwindigkeit“ erfährt man zum Beispiel: „Wo der 50 km/h Fahrer zum Stehen kommt, fährt der 60 km/h Fahrer noch mit 40 km/h, der 70 km/h Fahrer noch mit 60 km/h, der 80 km/h Fahrer noch mit 75 km/h.“ Darunter ist in einer Zeichnung dargestellt, dass ein Fahrzeug bei 50 km/h noch vor einem kreuzenden Fahrradfahrer zum Stehen kommt, während ein Fahrzeug mit 70 km/h nicht mehr zum Stehen kommt. Bildunterschrift: „Nur 20 km/h zu schnell führt trotz optimalen Bremsens – egal, ob mit oder ohne ABS – zu einem Aufprall mit knapp 60 km/h.“

Und derselbe ADAC begrüßt die Pläne des Verkehrsministers, die gerade erst verschärften Regeln zu Fahrverboten für Raser wieder zu kippen? Ich empfehle den Herren Scheuer und Schnieder sowie allen sonstigen Kritikern der geänderten StVO dringend die Lektüre der beiden oben genannten Quellen.

Wann hat auch der letzte Bürger begriffen, dass eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 22 oder 23 km/h aufgrund des deutlich längeren Anhalteweges wesentlich gefährlicher ist als eine Überschreitung von 5 oder 10 km/h? Diese kann man unter „Kann mal passieren“ verbuchen. Geschwindigkeitsüberschreitungen von mehr als 20 km/h hat man über Bußgelder bisher nicht hinreichend verhindern können, es muss daher ein Fahrverbot drohen. Und die Herren Schnieder, Scheuer und andere können den übrigen Kritikern ja den Tipp geben: „Fahrt doch einfach nur
18 oder 19 km/h zu schnell – vor allem, wenn ihr den Führerschein beruflich braucht. Dann kommt ihr mit einem Bußgeld davon!“ (Sarkasmus-Alarm!)

Dr. Hermann Severin, Daun

Rasen war und soll auch in Zukunft wohl nur ein Kavaliersdelikt sein. Es ist aber erwiesenermaßen mit das größte Unfallrisiko und darf nicht weiter toleriert werden.

Durch den neuen Bußgeldkatalog würden solche Autofahrer, für die die Straßenverkehrsordnung anscheinend nur Schikane ist, vor Antreten der Fahrt vielleicht ihr Hirn einschalten.

Wer durch eine 30er-Zone mit 51 km/h rasen will, darf zu Recht einen Monat lang darüber nachdenken, warum Fußgänger, Radfahrer und vor allem Kinder vor solchen uneinsichtigen Verkehrsteilnehmern geschützt werden müssen. Viel Leid von Verletzten und Angehörigen von Unfalltoten würde durch Fahrverbote sehr wahrscheinlich minimiert.

Unser allseits beliebter Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer findet die Strafe von einem Monat Fahrverbot bei 51 Km/h statt 30 km/h unangemessen und will fast alles wieder auf Null stellen. Die Erhöhung des Bußgeldes von 80 auf 100 Euro kann nur der Witz des Jahres sein.

Aber einige Kritiker und erboste Raser sind für Herrn Scheuer schon ein Grund, die verschärften Regeln zu Fahrverboten in die Tonne zu kloppen.

Wenn der Abgeordnete Patrick Schnieder die verschärften Strafen für eine Gängelung der Autofahrer hält, hat er im Verkehrsausschuss des Bundestages nichts zu suchen. Der größte Teil der Autofahrer fühlt sich mit Sicherheit nicht gegängelt und rast ohne Verstand durch die Gegend.

Ein Besuch von Unfallopfern in Krankenhaus oder Rehaklinik würde die Herren Scheuer, Schnieder und die Kritiker des neuen Bußgeldkataloges vielleicht zum Nachdenken über das Rasen bringen.

Nicht der neue Bußgeldkatalog ist ein Führerscheinvernichter, sondern ganz einfach das Ignorieren der Straßenverkehrsordnung.

Peter Knebel, Speicher