Gesundheit : Erbärmlich

Zum Artikel „Regierung will umfassendes Programm für mehr Pflegekräfte“ (TV vom 2. Juli) schreibt Petra Pleuß:

Ja. Genau. Lieber billige Arbeitskräfte aus dem Ausland, als den Kräften im eigenen Land endlich mal die Anerkennung und angemessene Bezahlung zukommen zu lassen, die sie verdient haben. Das ist wieder typisch. Ich frage mich ernsthaft, was das für ein Sozialstaat ist, in dem alles, was mit sozial zu tun hat, am liebsten über Ehrenamt abgewickelt wird? Wir möchten, dass unsere Kinder gut betreut und gut ausgebildet werden. Wir möchten, dass unsere Alten und Kranken gut versorgt werden … aber wenn es geht, nur von Menschen, die an einem Helfersyndrom leiden und deshalb gerne für einen Hungerlohn arbeiten oder am besten umsonst. Ich finde das erbärmlich.

Ich selber bin Krankenschwester und im Laufe meines Lebens in unzählige Anstellungen gewechselt, da ich hoffte, es würde besser werden. Wurde es aber nie. Die Stellenausschreibungen hörten sich vielversprechend an, entpuppten sich aber immer wieder als dasselbe Desaster. Zuletzt wurde ich selber krank. 15 Tage Dienst und dann vielleicht mal zwei Tage frei …

Gerne würde ich wieder in meinem Job arbeiten. Da ich nicht mehr so belastbar bin, gerne in einer Anstellung in Prozent. Mit einem Gehalt von dem Doppelten, was ich bisher erhalten habe, könnte ich damit auskommen. Aber dem ist nicht so. Also werde ich mir auch lieber einen Job als Kassiererin oder sonst was suchen,  als mich weiterhin von diesem Stress krank machen zu lassen. Ich finde es bedauerlich. Solange Dienstleistungen im sozialen Bereich immer noch so honoriert werden, als wären wir Nonnen, die dies zu Anfang der Geschichte der Krankenpflege praktizierten (was ihnen auch hoch anzurechnen ist), ist in unserem Land etwas ganz und gar nicht in Ordnung.

Petra Pleuß, Niersbach