Diplomatie: Erinnerungen werden wach

Diplomatie : Erinnerungen werden wach

Zu unserem Artikel „Trotzkopf Donald Trump düpiert die Dänen“ (TV vom 22. August) schreibt Peter Schuh, Trier:

Kann man eine Insel kaufen? Man kann, es fragt sich nur zu welchen Bedingungen!

Zum Beispiel im 19. Jahrhundert war es eher unproblematisch, ein Territorium „mit Mann und Maus“ zu erwerben.

Kaufen und verkaufen gehörte ebenso zum diplomatischen Programm wie dynastisch fein geknüpfte Ehebande.

In der millionenfach gelesenen Geschichte eines leichten Lebens „Der liebe Augustin“ lässt der Autor Horst Wolfram Geissler das Geschacher um die Insel und ehemals freie Reichsstadt Lindau Revue passieren.

Der Fürst von Bretzenheim, dessen Familie bereits die Herrschaft an der Nahe käuflich erworben hatte, erhielt die Stadt am Bodensee als Entschädigung für linksrheinische Gebietsverluste, wollte sie aber nicht behalten und verkaufte sie im Jahr 1803 wieder für 46 000 Gulden an Österreich.

Auch der Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld, dem das Gebiet um St. Wendel und Baumholder nach dem Ende der Befreiungskriege zugefallen war, trennte sich 1834 von dem zwischenzeitlich als „Fürstentum Lichtenberg“ firmierenden Territorium gegen Zahlung einer Jahresrente von 80 000 Talern.

Beleuchtet man den Vorstoß des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zum Kauf der weltgrößten Insel vor dem Hintergrund vordemokratischer Gepflogenheiten, scheint mir das vertraute autokratische Denkmuster offensichtlich. Vom Selbstbestimmungsrecht der Inselbewohner war bei ihm, soweit ich sehe, nämlich bisher keine Rede. Erinnerungen an das Kolonialzeitalter werden wach.

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