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Kriminalität: Erklärung des Unerklärlichen

Kriminalität : Erklärung des Unerklärlichen

Zur Berichterstattung über die Amokfahrt in Trier schreibt Jutta Pohl:

Seit der Amokfahrt vom 1. Dezember stellt sich immer wieder die Frage nach dem „Warum“. Die reflexhafte Antwort: ein Verrückter! Man nimmt an, dass der Täter krank sein müsse. Das ist eine verständliche Abwehrreaktion, die aber nichts erklärt.

Was zunächst als oberflächliches Detail in den Augenzeugenberichten erscheinen mag – der Täter stellte das Auto ab, rauchte eine Zigarette und grinste – erklärt hingegen viel. Das Grinsen des Täters erklärt, was als unerklärlich erachtet wird, weil diese Ungeheuerlicheit überfordert. Unerträglich für Opfer und Angehörige.

Der Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit beschreibt in seinem Buch „Das Lachen der Täter: Breivik u.a. – Psychogramm der Tötungslust“ (Residenz-Verlag, Salzburg 2015) die Grunddisposition eines bestimmten Tätertyps, für den das Lachen nach dem Töten typisch sei und in dem sich die Lust am Töten offenbart.

Das Lachen als emblematisches Abzeichen des Killers. Der Killer triumphiert. Er lächelt, lacht, grinst.

Zum Lachen gehört die Ausstellung der Tat. Das Lachen ist das sichtbare Zeichen des Triumphgefühls des Mörders. „Es geht um die Lust zu töten, nicht gezwungen, nicht befohlen, sondern weil man es will“ (Klaus Theweleit). Darum können Männer zu Massenmördern werden.

Jutta Pohl, Nittel