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Erziehung

Zum Artikel "Viele Worte für die Kleinen" (TV vom 18./19. Oktober) diese Zuschrift:

Seit 14 Jahren arbeite ich als Erzieherin in einer Kindertagesstätte in Luxemburg (vorher 20 Jahre als Erzieherin in Deutschland), in der Kinder im Alter von vier Monaten bis vier Jahren betreut werden. Mein Kollegium setzt sich aus Luxemburgern, Belgiern, Tschechen, Ukrainern, Deutschen, Luxemburgern mit portugiesischen, französischen oder niederländischen Wurzeln sowie Belgiern mit afrikanischen Wurzeln zusammen. Die Eltern der Kinder sind Luxemburger, Portugiesen, Deutsche, Österreicher, Spanier, Italiener, Belgier, Franzosen, Asiaten, Letten, Rumänen, Afrikaner, Polen, Russen. Das Arbeiten mit diesen Menschen unterschiedlicher Kulturen gefällt mir. Mit den Kindern sollen wir Luxemburgisch sprechen. Von Anfang an fiel mir auf, dass die Kinder mit drei Jahren sehr schlecht sprechen können, im Gegensatz zu den Kindern, mit denen ich in Deutschland arbeitete. In Luxemburg gibt es drei Landessprachen: Luxemburgisch, Französisch und Deutsch. Ein normal gebildeter Luxemburger kann diese Sprachen fließend sprechen. Die Kinder beginnen in der Grundschule mit Deutsch, im zweiten Schuljahr kommt Französisch hinzu, später Englisch. Die Alltagssprache für Luxemburger ist Luxemburgisch, für alle anderen deren Muttersprache. Da man bei den Behörden am besten mit Französisch zurechtkommt, lernen die Eltern der Kinder, die aus einem anderen Land kommen, zunächst oft Französisch. So kann es vorkommen, dass ein Kind zu Hause Italienisch und Polnisch hört, in der Tagesstätte Luxemburgisch, in der Grundschule mit Deutsch beginnt, im zweiten Jahr Französisch hinzukommt und später noch Englisch oder eine andere Sprache. Ein Kind, das zweisprachig aufwächst, spricht beide Sprachen oft fließend, weil es diese oft auf natürlichem Wege im Alltag lernt. In einem Land mit drei Sprachen plus einem hohen Bevölkerungsanteil aus unterschiedlichen Heimatländern und Sprachen kommt nach meiner Meinung nur ein Sprachenwirrwarr heraus. Keine Sprache wird richtig gesprochen. Wenn in der Tagesstätte Französisch und Luxemburgisch gesprochen werden soll, wie wird es in der Spielschule und in der ersten Klasse der Grundschule gehandhabt? Wird mit den Erziehern, dem Spielschulpersonal und den Lehrern im Vorfeld gesprochen? Es gibt viel zu tun, packen wir es an und bereiten es gründlich vor. Sylvia Frank, Langsur