Klima: Es gibt Lösungen – wäre gut, wenn einer mal anfängt

Klima : Es gibt Lösungen – wäre gut, wenn einer mal anfängt

Zur Berichterstattung über den Klimawandel schreiben Karl-Heinz Keiser, Jürgen Teusch, Norbert Bogerts und Bernhard Fuchs:

Gesetzgebung, Anbieter und Verbraucher haben in der Vergangenheit gezeigt, das trotz deutlicher Hinweise der Natur kein besonderes Interesse am Klimaschutz besteht.

Stattdessen werden Maßnahmen wie die Elbvertiefung oder der Bau des Terminals 3 am Flughafen Rhein-Main, die ausschließlich auf dem Wachstum der Klimakiller basieren, gebaut. Es werden also andere Kräfte sein, die nach uns zum Tragen kommen. Das Wort „sozialverträglich“ wird dann nicht mehr gebraucht.

Eine Jeanshose, die im fernen Bangladesch unter erbärmlichen Arbeitsbedingungen produziert wird, kostet den Händler nach 10 000 Kilometern  Transport weniger, als eine Rücksendung auszupacken und wieder zu verwenden. Schreddern ist billiger. Solange die Regierungen die Steuerfreiheit des Treibstoffs für die großen Klimakiller in der Luft und auf See verteidigen, heißt das für Anbieter und Verbraucher: weitermachen.

Dieses System erinnert an ein dunkles Kapitel der Geschichte, als Millionen sterben mussten, nur weil das Weitermachen von oben befohlen wurde. Ich schäme mich, einer Gesellschaft anzugehören, die den Lebensraum ihrer Enkel dem Wohlstand der Gegenwart opfert.

Karl-Heinz Keiser, Thomm

Zum Klimawandel gibt es bis jetzt  geschätzt hundert Millionen Meinungen, Veröffentlichungen und so weiter, sei es von Wissenschaftlern, Klimaforschern, Politikern. Bei den selbsternannten Klima-Aposteln  fängt die Glaubwürdigkeit beim eigenen Verhalten an. Vielfliegende Beispiele gibt da ja sicher genug, etwa die überflüssigen Flüge vom Bonner Ministerium zum Berliner Ministerium. Für die eigene Klima-Seele die Grünen wählen und dann  mit der Billig-Airline Ryanair nach Teneriffa fliegen, um von dort aus mit einem Schweröl-Verbrenner, man könnte auch Kreuzfahrtschiff sagen, nach Barcelona zu schippern, ist auch nicht so der Öko-Kracher, aber sicher sehr individuell.

Vielleicht sollte man sich zu dem Thema einfach mal ein paar Fragen stellen und versuchen, diese selbst zu beantworten: Sind die Sommer in den letzten Jahren heißer und trockener geworden? Ist die Anzahl der Wetter-Extreme (Starkregen, Sturm, Hagel) gestiegen? Macht es grundsätzlich mehr Sinn, weniger Dreck (durch bessere Technologie) in die Atmosphäre, in der man lebt und atmet, zu blasen? Wenn man zu dem Ergebnis kommt, dass sich etwas verändert hat und sich etwas ändern sollte, ist es dann hilfreich, mit dem Finger auf andere zu zeigen (Beispiel Pro-Kopf CO2-Emission 2016 in China 6,5 Tonnen, in Indien 1,5 Tonnen, in Deutschland 8,9 Tonnen), selbst dann, wenn der Klimawandel nicht menschengemacht wäre?! Gibt es eine Veränderungsnotwendigkeit im (globalen) Verhalten, um das Klima stabil zu halten? Ob da Wirtschaftswachstum – was bedeutet: mehr Produktion, mehr Konsum, mehr Emission – die Lösung sein soll, wäre fraglich. Die entscheidende Frage wird aber sein: Wie sieht es mit dem persönlichen Veränderungswillen aus, wenn man etwas tun will, unabhängig davon, mehr Steuern oder Abgaben zu zahlen? Frei nach Gandhi: Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. Die Anderen werden es vielleicht nicht sein, wäre aber gut, wenn einer mal anfängt.

Jürgen Teusch, Wittlich

Zum Artikel „Wie Klimaschutz in der Landwirtschaft gelingen kann“ (TV vom 2. August):

In dem Beitrag sind einige gute Ansätze dargestellt. Um der Klimakrise zu begegnen, ist jedoch noch viel mehr erforderlich. Das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen ist erstaunlicherweise möglich, wenn nur ein Teil der in dem Buch „Drawdown – der Plan: Wie wir die Erderwärmung umkehren können“ von Paul Hawken (Herausgeber) vorgestellten Ideen realisiert wird. Hier wird in mehreren Kapiteln nachgewiesen, dass die CO2-Emissionen nicht nur gestoppt, sondern ihr Gehalt in der Atmosphäre mit rein marktwirtschaftlichen Methoden umgekehrt werden kann. Bei jeder Maßnahme, die in den Kapiteln Energie, Ernährung, Frauen und Mädchen, Gebäude und Städte, Landnutzung, Transportwesen, Materialien beschrieben wird, berechnen die Autoren, wie viel CO2-Äquivalente reduziert werden können, wie viel Kapital investiert werden muss und dass es im Endeffekt eine Win-win-Situation ist, da das eingesetzte Kapital über 30 Jahre – trotz vorsichtiger Kalkulation – eine oft um ein Vielfaches höhere Rendite einbringt. Drawdown ist eine noch in den Anfängen steckende Bewegung, an der viele Wissenschaftler beteiligt sind. Sie will eine Ökonomie der Regeneration entwickeln und volkswirtschaftliche Klimalösungen darstellen und dabei aufzeigen, dass die Kosten für die weltweiten Probleme inzwischen weitaus höher liegen als die Kosten für die Problemlösungen, anders ausgedrückt, dass sich mit nachhaltigen Lösungen heute mehr Geld verdienen und Arbeitsplätze schaffen lassen als mit dem die Probleme verursachenden Business-as-usual. Im Internet kann man unter dem Stichwort „Project Drawdown“ viel nachlesen oder Filme anschauen, bisher leider nur auf Englisch.

Jeder, der sich über die unglaubliche Vielfalt der Lösungsansätze informieren will, sollte das Buch lesen, vor allem aber müsste es Pflichtlektüre für die politisch Verantwortlichen sein.

Norbert Bogerts, Welschbillig

Zum Artikel „Interesse am Wüstenstrom verläuft im Sande“ (TV vom 6. August):

Mit Interesse habe ich den Beitrag gelesen. Mich erinnert das Verhalten von Unternehmen und Politik an etliche Projekte, die der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung gutgetan hätten, nämlich:  Entwicklung eines Drei-Liter-Autos (kam nie richtig an); dezentrale Energieversorgung mit Blockheizkraftwerken, Erdwärme et cetera, was in einigen Gemeinden wunderbar funktioniert, aber von den Konzernen bekämpft wird; aber auch eine Neubesinnung in der Entwicklungshilfe und einem Umdenken bei den Subventionen innerhalb der EU – daran fehlt es. Ich frage mich: Will die Politik den Chinesen sehenden Auges in die Hände spielen? Warum arbeiten wir in der EU nicht mit Afrika zusammen und schaffen dort Arbeitsplätze und lernen, Ressourcen zu teilen? Der Erfolg liegt auf der Hand: weniger Flüchtlinge aus Afrika, weniger CO2-Ausstoß.

Auch in der Agrarpolitik muss ein Umdenken stattfinden, das nur nebenbei.

Bernhard Fuchs, Hillesheim