Umwelt: Es gibt nur eine Rettung

Umwelt : Es gibt nur eine Rettung

Zu unserem Artikel „Zaudern geht nicht mehr“ (TV vom 12.August) schreibt Dr. Günter Kaschl, Trier:

Ich danke Professor Rahmstorf  vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, dass er  allgemeinverständlich, aber wissenschaftlich präzise die Fakten des Klimawandels erläutert und graphisch dargestellt hat. Diese anschauliche Doppelseite des TV gehört ans Schwarze Brett jeder Schule, jeder Hochschule, jeden Amtes, jeden Betriebsrates, ins Dienstzimmer jeden Politikers, Entscheidungsträgers und Wirtschaftsführers!

Das  Pariser Abkommen gibt das (optimistische!) Klimaziel  vor, die globale Erwärmung bis 2100 auf „unter zwei Grad“ zu begrenzen. Paris  fordert dafür sofortige, umfassende, radikale  Maßnahmen von allen, besonders aber von den Industriestaaten.  Wir haben die Welt seit der Industrialisierung bereits um 1,1 Grad aufgeheizt! Jahrhundertsommer belegen es.

Ein „Weiter so“ würde die globale Temperatur um  fünf Grad steigen lassen. Schlimm? Ja, entsetzlich! Fünf Grad, das ist genau der globale Temperaturunterschied zwischen der letzten Eiszeit und heute. Diese fünf Grad haben den Spiegel des Weltmeeres um 120 Meter ansteigen, haben  die Nordsee sich  bilden lassen.  Britannien ist aus Festland zur Insel geworden, es hat ein totaler Austausch  von Flora und Fauna stattgefunden, und es haben sich Wüsten gebildet.

Stellen Sie sich die Folgen einer nochmaligen, genauso  dramatischen Erwärmung vor – und das in kürzester Zeit und weltweit!  Und das Beste, was wir noch erreichen können, ist die Begrenzung auf zwei Grad,   immerhin auch schon 40 Prozent von fünf Grad.

Ich habe Sorge. Große Angst davor, in welcher Welt meine Enkel und deren Kinder leben werden, wenn die Klimaziele verfehlt werden. Welche Migrationsströme von Milliarden Menschen aus unbewohnbar gewordenen Ländern sich ergießen würden, welche Kriege, Hungersnöte, welches Elend auf die Welt zukommen würde.

Es gibt nur eine Rettung: sofort und energisch mit Anreizen, wirtschaftlichen Steuerungsmechanismen, ja  auch mit Verboten und Zwang die nötigen Maßnahmen zu beschließen und durchzusetzen. Es kann wehtun. Ich wünsche mir einsichtsvolle Menschen und charakterfeste Politiker, die über eine Legislaturperiode hinausdenken können.

„Aber Deutschland trägt doch nur vernachlässigbare 1,8 Prozent  zu den Klimagasen bei!“  Ja, aber wir stellen nur ein Prozent  der Weltbevölkerung, verursachen also fast den doppelten Fußabdruck pro Person. Außerdem pusten die Industriestaaten schon länger mehr Klimagase in die Atmosphäre, als der Rest der Welt.  Außerdem: Wer kann sich den Klimaumbau der Wirtschaft  leisten, wenn nicht wir zusammen mit unseren europäischen Partnern? Wenn die Welt sieht, dass der Wandel zu einem klimaneutralen Leben und Wirtschaften möglich ist, wird sie hoffentlich  diesem Beispiel folgen. Bald! Zaudern geht nicht mehr!