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Es ist an der Zeit, dass sich Europa militärisch von den USA emanzipiert

Leserbrief : Es ist an der Zeit, dass sich Europa militärisch von den USA emanzipiert

Zukunft der Nato

Zu den Artikeln „Giftschlamm: Die Schadstoffe kommen zwar von der Airbase ...“ (TV vom 2. Juli), „Viel Frust nach 20 Jahren Kampf in Afghanistan“ (TV vom 8. Juli), „Die Zweifel an der Mali-Mission wachsen“ (TV vom 30. Juni) und „Wir spielen wieder auf dasselbe Tor“ (TV vom 15. Juni) sowie weiteren Artikeln zur Nato:

Cui bono, Nato? Deutschland dient zunächst mal in der Nato sozusagen als Flugzeugträger der US-Amerikaner. Stützpunkte und Flughäfen, wie zum Beispiel Ramstein oder Spangdahlem, garantieren sicher Arbeitsplätze und im Umfeld gute Mieteinnahmen. Daneben muss die Bevölkerung allerdings mit dem Lärm leben, zusätzlich, wie jetzt in der Eifel festgestellt, wird das Grundwasser mit krebserregenden Stoffen mittels Löschschaum kontaminiert.

Als Bündnispartner hat die Bundeswehr 20 Jahre lang die Amerikaner in Afghanistan unterstützt. 59 deutsche Soldaten haben dabei ihr Leben verloren, dazu kommen noch die immensen Kosten des Einsatzes.Lange vor 9/11 wäre eine kritische Selbstüberprüfung der Außenpolitik der USA mal angebracht gewesen. In erster Linie spielen aus meiner Sicht strategische und wirtschaftliche Interessen die primäre Rolle, insbesondere die Kontrolle über Erdöl. Zur Not wird auch mal ein parlamentarisch legitimierter Präsident durch den Einsatz der CIA abgesetzt. So passiert 1953 im Iran, damals ein demokratischer Staat. Präsident Mossadegh hatte den Fehler gemacht, die Ölförderung zu verstaatlichen – zum Nachteil von Großbritannien und den USA. Die Taktik der politischen Destabilisierung und der anschließenden Installation eines genehmen Machthabers hat einige zum Erfolg geführt, war aber zum Nachteil der Zivilbevölkerung vor Ort.

Was deutsche Truppen in Mali verloren haben, erschließt sich mir auch nicht so ganz. Vordergründig stehen da sicherheitspolitische Interessen der Franzosen im Fokus, aber auch hier geht es aus meiner Sicht um Öl und Uran, also wieder um wirtschaftliche Aspekte – gleiches Spiel.

Streng genommen hatte die Nato nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes die Daseinsberechtigung verloren. Da wäre eine Neu-Orientierung erforderlich gewesen.  Zurzeit wirkt sie wie ein Bündnis, bei dem sich die Protagonisten mit Hilfe ihrer Partner auf militärischem Wege per Intervention wirtschaftliche Interessen sichern.

Wenn demnächst in Afghanistan die Taliban wieder die Macht übernehmen, Frauen und Mädchen entrechtet werden: War dann der Einsatz erfolgreich? Haben dafür 59 deutsche Soldaten den höchsten Preis gezahlt? Braucht man dafür diese Nato?

Es ist an der Zeit, dass sich Europa militärisch von den USA emanzipiert und ein eigenes Militärbündnis aufstellt, das nicht nur wirtschaftlichen Interessen dient.