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Es ist Zeit, für alle zur Normalität der Tage vor der Pandemie zurückzukehren

Leserbrief : Es ist Zeit, für alle zur Normalität der Tage vor der Pandemie zurückzukehren

Corona

Zum Artikel „Begrenzter Zutritt für Ungeimpfte“ (TV vom 8. September):

Inzidenzzahlen, Warnstufen für Hospitalisierung, Warnstufen für die Belegung der Intensivstationen: Wer soll da noch den Überblick behalten? Ich habe diesen Anspruch, den ich ansonsten an mich habe, inzwischen aufgegeben.

Jeder, der will, kann sich heute vor einer schweren Erkrankung am Covid-19-Virus schützen. Die Impfung steht jedem zur Verfügung. Ab diesem Zeitpunkt ist er/sie so gut wie möglich vor einer lebensbedrohlichen Erkrankung geschützt und nur noch selten Überträger des Virus. Das ist für mich der entscheidende Punkt.

Es ist das gute Recht einer/s jeden, die Impfung zu verweigern und somit bewusst das Risiko einer  Erkrankung in Kauf zu nehmen. Niemand muss mehr auf sie/ihn Rücksicht nehmen oder, mit den nachfolgenden wenigen Ausnahmen, Druck ausüben, sich impfen zu lassen.

Wer nach Afrika reisen möchte, ist  verpflichtet,  sich gegen Gelbfieber impfen zu lassen. Wer das verweigert, kann nicht dorthin reisen. Wo liegt das Problem?

Wer in Frankreich einen medizinischen Beruf ausüben möchte oder beruflich mit den „vulnerablen Gruppen“ in intensivem Kontakt ist, muss sich impfen lassen. Wer dort eine Gaststätte besuchen möchte, muss seinen „pass sanitaire“ vorweisen. Wo hier ihre Verpflichtung liegt,  hat die französische Regierung erkannt und ist, anders als unsere, auch in der Lage, dies umzusetzen.

Jedes Handeln, aber auch jedes Unterlassen, hat Konsequenzen. Mir scheint, dass viele, die nach ihrer individuellen Freiheit rufen, dies gerne vergessen. Bleibt nur noch die Frage, ob der Staat auch über die „vulnerablen Gruppen“  hinaus eine Schutzpflicht gegenüber Personen hat, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Dieses zu bejahen, wäre wegen der relativ geringen Zahl von Betroffenen meines Erachtens nicht verhältnismäßig. Wer zum Beispiel wegen einer Chemotherapie oder einer Immunerkrankung ein höheres Infektionsrisiko trägt, muss sich ohnehin besonders vor allen Ansteckungen schützen, ohne dass allgemeine staatlich verordnete Regelungen ihm diesen Schutz erleichtern könnten. Dies wird auch von keiner Seite gefordert. Da die überwiegende Zahl der Bürger*innen die Impfung nicht ablehnt, wird die Pandemie mehr und mehr zur Pandemie der Ungeimpften. Damit ist nun meines Erachtens eine Überlastung unseres Gesundheitssystems nicht mehr zu erwarten.

Somit kann ich auf die tägliche Beobachtung der verwirrenden „Wasserstandsmeldungen“ verzichten. Es ist Zeit, für alle zur Normalität der vergangenen Tage vor der Pandemie zurückzukehren.