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Gesellschaft: Es muss richtig wehtun

Gesellschaft : Es muss richtig wehtun

Zur Berichterstattung und zu Leserbriefen über die Demonstrationen in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen des Staates schreibt Heidi Dawid:

Ich würde befürworten und begrüßen, dass die Kosten Covid-19, nicht nur der Test, auch der Krankenhausaufenthalt, ausgelöst durch die Ignoranz und Intoleranz der Menschen (beispielsweise die Demos in Berlin) von diesen selbst bezahlt werden müssten. Wenn es an den Geldbeutel geht, und es muss richtig wehtun, vielleicht überlegt sich dann manch einer, weiterhin die Maskenpflicht abzulehnen.

Unser Staat ist da viel zu lasch, keiner will potenzielle Wähler verlieren. Auch das Geschrei über den Wegfall von Großveranstaltungen wie Fußball, Karneval, Reisen, Konzerte, Weihnachtsmärkte, Weinfeste, Oktoberfest et cetera ist nicht zu verstehen.

Bestehen wir denn nur noch aus Vergnügen, Vergnügen und noch mal Vergnügen? Sind wir denn nicht mehr in der Lage, mal auf unbestimmte Zeit uns einzuschränken und zu verzichten?

Was haben bloß unsere Eltern und Großeltern während des letzten Krieges gemacht? Da ging es ums nackte Überleben. Jahre der Entbehrungen. Da dachte niemand an Vergnügungen, sondern ans Überleben. Die Millionen von Toten weltweit – Deutschland, Frankreich, England, Russland. Hiroshima, Pearl Harbor. Der Holocaust.

Die nächste Pandemie ist doch programmiert. Aber wen interessieren die kleinen Betriebe (hatten wir doch schon), Gasthäuser, Hotels, Friseure, die den Corona-Lockdown gerade so überstanden haben, aber diesmal keine Kraft mehr hätten, sowohl mental als auch finanziell zu überleben. Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser (weniger OPs), Seniorenheime wieder geschlossen, die Kirchen nicht zu vergessen?

Ich stelle mir gerade vor, keine eleganten Finger- und Fußnägel, Haare-„Wildwuchs“, der Body wird schlaff, weil kein Fitness-Studio mehr geöffnet hat, die Tattoos nicht zu vergessen, die Zierde des heutigen Schönheitsempfindens, sowie die OPs für die Schönheit. Ich könnte weitere Beispiele aufführen.

Es wäre wünschenswert zu demonstrieren gegen: Vernichtung des Regenwaldes, Ausbeutung der Ressourcen, Verhungern von Millionen Kindern in der Welt, Unterdrückung der Menschen durch korrupte Politiker, Klimawandel (Gletscherschwund), Ausrottung der Tierwelt, Ölpest, Armut in Deutschland (das Schicksal von Nichtsesshaften), sexuelle Übergriffe, Missbrauch von Kindern, Kinderpornografie, Beschneidung von Kindern, Verrohung der Sitten. Es würde sich lohnen, mal darüber nachzudenken! Lebe ich eigentlich noch auf dem richtigen Planeten?

Heidi Dawid, Trier