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Es sind die Rahmenbedingungen, die die Pflegenden von ihren Arbeitsplätzen flüchten lässt

Leserbrief : Es sind die Rahmenbedingungen, die die Pflegenden von ihren Arbeitsplätzen flüchten lassen

Pflegenotstand

 Zum Artikel  „Helfer-Anteil in der Altenpflege steigt“ (TV vom 16. September):

Die eigentliche Problematik ist die Uneinigkeit der Pflegenden untereinander. Dazu gehören alle, die in der Pflege tätig sind – also alle stationär und ambulant Pflegenden, auch die Pflegehelfenden in der Kranken- sowie Altenpflege. Deshalb muss ich ausdrücklich eine Lanze für die in der Pflege tätigen Kranken- sowie die Altenpflegehelfer und -helferinnen brechen.

Das sind die eigentlichen „Frontschweine“. Die beiden Berufsgruppen haben ebenfalls eine curriculare Ausbildung, die mit einem anerkannten Examen endet. Diese konzentriert sich im Wesentlichen auf die Grundpflege. Ohne die Arbeit dieser beiden Berufsgruppen wäre die Existenz der Alten- und Pflegeheime kaum noch denkbar.

Was jedoch die Einigkeit der Pflegenden angeht, so hat die Gründung der Pflegekammer nicht dazu beigetragen. Grundsätzlich war und bin ich für eine Pflegekammer. Bei der Verkammerung der Pflege in Rheinland-Pfalz hat die Politik aber sowohl die Kranken- als auch die Altenpflegehilfe vergessen. Warum? Was ich aber noch bemängele, ist die Arbeitsweise der Pflegekammer. wird in der Praxis für in der Pflege Tätige nicht sichtbar. Das Ergebnis:  Von 37 373 wahlberechtigten Pflegepersonen haben sich 6662 an der Wahl beteiligt (Quelle: Pflegekammer Magazin RLP, Ausgabe 25).

Was die Bemühungen der Pflegenden, für ihre Arbeit allgemeingültige akzeptable Arbeits- und Rahmenbedingungen einzufordern, ebenfalls erschwert, ist der Umstand, dass die Politik in Deutschland den konfessionellen Trägern von Krankenhäusern und Altenheimen – obgleich dort nicht unerhebliche finanzielle Mittel, also Steuern und öffentliche Gelder hineinfließen – ein eigenes Arbeitsrecht zugesteht.

Es gäbe sicher noch weitere Rahmenbedingungen zu nennen, wie das Arbeitszeitgesetz, hier Paragraph 5, das die Pflegenden in der Dauer der Nachtruhe schlechter stellt als andere Berufsgruppen, die im Schichtdienst tätig sind. Das würde jedoch die Intention und den Umfang dieses Leserbriefs sprengen. Letztendlich sind es aber die zurzeit geltenden Rahmenbedingungen, die die Pflegenden von ihren Arbeitsplätzen flüchten lassen. Dass es auch anders geht, kann man im europäischen Ausland sehen. Dort gibt es bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. Trotzdem ist das Gesundheitssystem in diesen Ländern nicht zusammengebrochen. Es hilft professionell Pflegenden nicht, sie in der Pandemie als systemrelevant zu bezeichnen und für sie zu klatschen.