Europa

Zum Artikel "Ein Quertreiber denkt über seinen Abschied nach" (TV vom 25. Februar):

"Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen." Das sagte im Oktober 2011 Kanzleramtsminister Roland Pofalla zu Wolfgang Bosbach, als dieser vor einer Abstimmung zur Euro-Rettung eine andere Meinung äußerte. Er sagte weiter: "Du machst mit deiner Scheiße alle Leute verrückt." Die Worte "hoch dotiertes Stimmvieh unter der Glaskuppel" stammen nicht von mir. Einer der fähigsten Wirtschaftswissenschaftler soll sie im Zusammenhang von Fraktionszwang und Posten-Versprechen mit der Anmerkung gebraucht haben, dass noch nie in solchem Ausmaß gegen die eigene Überzeugung regiert wurde wie im Verlauf der Euro-Rettung. Der Euro geht nicht kaputt, der Euro ist kaputt. Er hängt nur noch an der dreiteiligen Herz-Lungen-Maschine, die da heißt: Sparer-Steuerzahler-Notenpresse. Wird diese Herz-Lungen-Maschine abgeschaltet, ist der Euro in kurzer Zeit eine südländische Weichwährung. Es sei denn, die Regierenden kriegen die Kurve und setzen den Vertrag von Maastricht wieder in Kraft. Als die D-Mark geboren wurde, war ich 14, und als sie eingeschläfert wurde, war ich 65. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass in dieser Zeit im Zusammenhang mit unserer Währung das Wort "Rettung" gebraucht wurde. Dabei stellt sich die Frage: Was ist der Euro für eine Währung, die gerettet werden muss? Europa hat gut funktioniert, als jedes Land seine eigene Währung hatte. Lange vertrat ich die Meinung, dass es noch besser funktionieren würde, wenn wir ein gemeinsames Geld haben. Wie weit ich daneben lag, dafür schäme ich mich heute. Karl-Heinz Keiser, Thomm