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Leserbriefe: Extrem explosiv, extrem unsinnig

Leserbriefe : Extrem explosiv, extrem unsinnig

Zum Artikel „Gefährliche Fracht“ (TV vom 9. Februar) schreiben Karl-Wilhelm Koch und Antje Meier:

Uranerz und Yellow Cake sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, in dem Beitrag gehen Uran, Uran­erz, Uranerzkonzentrat und Yellow Cake durcheinander. Im Uran­erz ist bis zu 0,1 Prozent Uran in Form von Oxiden enthalten. Danach folgt als erste Verarbeitungsstufe die Herstellung von Yellow Cake. Aus zwei Tonnen abgebautem Erz wird ungefähr ein Kilogramm Yellow Cake gewonnen. Der Transport enthielt vermutlich tatsächlich Yellow Cake. Das ist aber strenggenommen kein Uran­erz-Konzentrat und schon gar kein Uran­erz, sondern ein chemisch aufkonzentriertes Folgeprodukt. Das ist deshalb wichtig, weil Uran­erz (von der Strahlung abgesehen) relativ harmlos ist (höchste Oxidationsstufe des Urans, kann also praktisch nicht mehr reagieren). Auch Yellow Cake ist chemisch noch relativ harmlos, die Strahlung liegt jetzt natürlich aufgrund der Aufkonzentration um einige Zehnerpotenzen höher. Richtig gefährlich wird es ab der nächsten Verarbeitungsstufe Uranhexafluorid, weil dies extrem explosiv mit Wasser reagieren kann und brennbar ist. Dies macht den offenbar unbewachten Transport durch die Region nicht besser. Bei einem Unfall wären schwere Strahlungsschäden zu befürchten.

Hochgefährlich sind die Transporte von Uranhexafluorid durch die Region, meistens per LKW. Diese Fahrten (2014: 34 Transporte) müssen allerdings der Polizei gemeldet werden. Alle zuständigen Aufgabenträger der lokalen Sicherheitskräfte sowie des Brand- und Katastrophenschutzes müssen über die genauen Routen und Zeitfenster der Transporte von angereichertem Uranhexafluorid informiert werden.

Karl-Wilhelm Koch, Mehren

Beim Lesen des Artikels kann einem das Frühstücksbrot im Hals stecken bleiben. Da fährt ein Schiff mit Uranfracht um Portugal, Spanien und Frankreich herum, durch den extrem vollen Ärmelkanal bis nach Hamburg, von wo das Zeug mit dem Zug durch Deutschland, Luxemburg und Frankreich ans Mittelmeer transportiert wird !? Da drängt sich der Verdacht auf, dass:

1. Frankreich, La Grande Nation, keine Häfen hat – unwahrscheinlich.

2. Der Kapitän nicht weiß, dass man durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer nach Frankreich und fast bis Narbonne kommt – ebenfalls sehr unwahrscheinlich.

3. Im Atlantik keine französischen Häfen sind – unwahrscheinlich.

4. Ganz „tolle“ Geschäfte gemacht werden und einige Leute sich dumm und dusselig verdienen, ein Blick auf die Landkarte genügt.

Da wird auf Kosten der Allgemeinheit Uran durch halb Europa gekarrt, Risiken ausgeblendet, und das soll normal sein? Ich würde mich freuen, wenn sich unsere Volksvertreter, so sie sich mal geeinigt haben, das unterbinden würden. Solche Transporte sollten so kurz wie möglich sein.

Antje Meier, Lissendorf