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Tiere: Fakten akzeptieren!

Tiere : Fakten akzeptieren!

Zum Artikel „Problem-Wölfe müssen sterben“ (TV vom 21. Februar) schreiben Bernd Krewer, Hans-Ulrich Praus und Gregor Steffes:

Wir haben in Deutschland nach seriösen Schätzungen etwa 1000 Wölfe – Stand Jahreswechsel von 2018 nach 2019. Jetzt sollen also zwei (!) „Problem-Wölfe“ geschossen werden. Und das soll das Problem der starken Zunahme der Viehrisse lösen?

Die Reproduktionsrate bei den Wölfen beträgt rund 30 Prozent. Und weil hierzulande (im Gegensatz zu Kanada, Alaska und „unseren“ skandinavischen Ländern) keine Wolfswelpen verhungern oder erfrieren, kommen auch alle Wolfswelpen durch.

Das heißt im Klartext: Aus dem „Pool“ von heute rund 1000 Wölfen werden im Jahr 2025 etwa 6250 Wölfe unser Land besiedelt haben. Diese Erwartungs-Zahl werden auch die jetzt zu „entnehmenden“ zwei Problem-Wölfe nicht verringern.

Wir brauchen keine Verordnungen, wann „Problem-Wölfe“ als solche deklariert und zu „entnehmen“ sind, sondern ein klares bundesweites Konzept für eine „Wolfsobergrenze“ und die Ausweisung von „wolfsfreien“ oder „wolfsunerwünschten Gebieten“, in denen die Etablierung und Ausbreitung mit jagdlichen Mitteln verhindert werden soll und muss.

Von den Naturschutzverbänden, die den Wolf als Bereicherung unserer verbliebenen Restnatur ansehen, wurde ja schon mal die Zahl 4000 als zu tolerierende Obergrenze für die Wölfe in ganz Deutschland (hinter vorgehaltener Hand und im Flüsterton) genannt. Das heißt aber auch, dass jährlich 1200 bis 1500 Wölfe erlegt werden müssen, um diese Bestandszahl 4000 zu halten.

Ideologien haben selten eine lange Lebensdauer, wenn man beweisbare Fakten dagegensetzt. Es ist an der Zeit, dass auch die Wolfs-Enthusiasten endlich die Realität  akzeptieren und die notwendigen Folgerungen daraus ziehen beziehungsweise ohne Gerichtsverfahren und Druck auf die verantwortlichen Politiker die dringend nötigen Konsequenzen zulassen.

Bernd Krewer, Kinderbeuern

Die Rückkehr des Wolfs darf nicht wahr sein! Er schadet unserer Weidetierhaltung und anderen Nutztierhaltungen. Er reduziert auch unseren heimischen Wildtierbestand!  Angeblich leben jetzt schon 73 Wolfsrudel in Deutschland, ein Bestand, der jährlich wächst! Der Wolf ist bisher in Deutschland leider noch nicht ins Jagdrecht aufgenommen worden, er gehört also somit nicht zum jagdbaren Wild. Ein Sachverhalt, der nicht wahr sein darf! Es wird voraussichtlich nicht mehr lange dauern, bis der Wolf sich auch in Rheinland-Pfalz, also auch in unserer Nähe, wieder ansiedeln wird. Dann ist aber von oben der normale Menschenverstand einzuschalten und der Wolf als jagdbares Tier zu erklären!

Zu diesem Thema möchte ich kurz 180 Jahre zurückschalten und mitteilen, wie damals von oben her gehandelt worden ist:

Im Amtsblatt der Königlich Preuß. Regierung zu Trier, Nr. 6 vom 7.2.1839, „Verzeichniß der im Laufe des Jahres 1838 eingefangenen und erlegten Wölfe“, wird bekannt gegeben:

a) Geschlecht und Alter der geschossenen, erschlagenen und gefangenen Wölfe,

b) Gezahlte Prämien für einen geschossenen, erschlagenen und gefangenen Wolf: 1 Wölfin = 12 Thaler, 1 Wolf = 10 Thaler und einen Nestwolf = 4 Thaler.

c) Oberförster-Revier,

d) Prämien-Empfänger,

e) Art der Erlegung.

In diesem Amtsblatt ist zum Beispiel auch ersichtlich, dass in der  Gemeinde Wehlen, Oberförster-Revier Wittlich betreffend, der Wehlener Philipp Zey (= Fey) zwei Nestwölfe erschlagen und als Prämie acht Thaler erhalten hat!

Das ist die bisher letzte Wolfs-Nachricht die Gemeinde Wehlen betreffend.

Soviel zur Rückkehr des Wolfes!

Hans-Ulrich Praus, Bernkastel-Kues

Die Ansiedlung der Wölfe wird in den verschiedenen Medien kontrovers dargestellt. In den Berichterstattungen und Beiträgen ist beim Pro und Kontra des konfliktbeladenen Themas die unterschiedliche Interessenlage sehr schnell zu erkennen.

Auf der einen Seite sind es die Vertreter der verschiedenen Naturschutzverbände, die für die Erhaltung der Artenvielfalt eintreten und argumentieren, dass von dem Wolf auf den Menschen keine Gefahr ausgeht und dass bei getöteten Nutztieren eine volle finanzielle Entschädigung stattfindet. Auf der anderen Seite sind es die Nutztierhalter oder Jäger, die bei der Wiederansiedlung des Wolfes um ihre Tierbestände fürchten.

Soll die Kulturlandschaft uns erhalten bleiben, dann brauchen wir weiterhin Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Rinder, die diese Flächen beweiden und für unsere Kleintier- und Pflanzenarten offenhalten.

Wenn ein Wolfsrudel in eine Schafherde einbricht, dann kann es schon mal vorkommen, dass bis zu 20 Schafe gerissen werden. Auf den qualvollen Tod, den die Tiere erleiden müssen, wird in den Medien kaum hingewiesen. Die Schafe sind in den eingezäunten Weiden eingesperrt und diesem Gemetzel schutzlos ausgesetzt.

Nur wer schon einmal einen Hunderiss in seinem Betrieb miterlebt hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie ein Wolfsmassaker abläuft. Meine Schafe waren 2011 eine leichte Beute für zwei Hunde, weil der ein Meter hohe Weidezaun sie nicht hindern konnte, in die Koppel zu gelangen. Was folgte, war ein „Blutrausch“. Das ist ein so genannter Beuteschlag-Reflex, wenn der Hund (oder Wolf) auf eine Weide gelangt und dort ein Überangebot an Schafen vorfindet. Die Tiere können nicht flüchten, weshalb der Jagdtrieb des Raubtieres immer wieder ausgelöst wird. Zehn Schafe wurden damals gerissen, fünf Schafe mussten später getötet werden, so schwer waren die Verletzungen.

Aus verschiedenen Gründen ist es für Schafhalter nicht möglich, die Schafe – sei es eine große oder kleine Herde – abends in eine feste, geschlossene Unterkunft zu bringen. Besondere Herdenschutzhunde eignen sich nur für große Schäfereien. Der Kostenvoranschlag eines Herdenschutzhundes wird jährlich mit 1300 Euro beziffert. Das sprengt für manchen Schafhalter den finanziellen Rahmen.

Bei getöteten Nutztieren findet ein finanzieller Ausgleich nur bei vorschriftsmäßiger Haltung mit Spezialnetzen statt, die sehr teuer, unhandlich und schwer zu stellen sind. Zudem ist es sehr zeitaufwändig, die Spezialnetze nach ständigem Umtrieb der Herde von einer Weidefläche zur nächsten aufzubauen.

Und diese Schutzmaßnahmen sind keine Garantie, dass der Wolf keine Nutztiere reißt, und zusätzliche Herdenschutzhunde sind ebenfalls eine vermehrte Gefahr für die Menschen.

Der Wolf hat seit rund 150 Jahren seine Existenz in Deutschland verloren. Niemand vermisst ihn. Das noch als scheu geltende Tier benötigt möglichst große und störungsfreie Naturflächen, die es zum Beispiel auf dem Hunsrück nicht finden kann.

Um die in Zukunft sich anbahnenden Konflikte mit der Weidewirtschaft zu vermeiden, sollten die wahren Natur- und Tierfreunde den hier eindringenden Wolf zur allgemeinen Sicherheit schonend entnehmen und zum Beispiel in den Weiten Sibiriens oder Kanadas wieder aussetzen.

Gregor Steffes, Horath, Hobby-Schafzüchter