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Falsch, Herr Westerwelle!

Falsch, Herr Westerwelle!

Zum Kommentar "Schaumschläger Guido" (TV vom 18. Februar):

Eigentlich wäre diesem Kommentar nichts hinzuzufügen - treffend in jeder Hinsicht. Dennoch, die impertinente Arroganz, mit der Guido Westerwelle seine Thesen unbeirrt präsentiert, schreit geradezu danach, meine bescheidene Meinung dazu auszudrücken.

Es ist schon bedauerlich, dass Herr Westerwelle überhaupt ein Thema in den Medien ist, aber da er ja nun leider ein gewählter Volksvertreter ist, lässt sich das nicht vermeiden. Allerdings, wenn ich mich recht erinnere, wurde er in dieser merkwürdigen Regierungskoalition zum Außenminister ernannt und nicht als Lobbyist für den geplagten "Mittelstand", was immer er auch darunter versteht. Statt sich also um seine eigentlichen Aufgaben zu kümmern, hat er nichts anderes zu tun, als das Volk in Faule und Fleißige einzuteilen und zu spalten. Faul sind seiner Meinung nach alle Hartz-IV-Empfänger. Ob er auch diejenigen meint, die trotz Vollzeitjob mit Hartz IV aufgestockt werden müssen, um einigermaßen über die Runden zu kommen?

Angesichts der neuesten Studien, die von einem deutlichen Anstieg des Armutsrisikos in Deutschland sprechen, sind seine unsinnigen Äußerungen schon ein starkes Stück. Mit seiner stereotypen Forderung "Leistung muss sich lohnen", meint er wohl ausschließlich die sogenannten Leistungsträger mit Jahreseinkommen ab 100 000 Euro und solche, die in einer Art Notwehrsituation gezwungen werden, ihr sauer verdientes Geld auf Schweizer Banken in Sicherheit zu bringen.

Dass Westerwelle sich bei einer solchen Einstellung über drastisch sinkende Umfragewerte seiner Partei wundert, ist schon sehr blauäugig. Vielleicht sollte er sich noch mal den Text seines Amtseides verinnerlichen, besonders jene Passage, in der er verspricht, seine Kraft zum Wohle des deutschen Volkes einzusetzen.

Lieber Herr Westerwelle, damit ist das gesamte Volk gemeint, nicht nur ihre Klientel der selbst ernannten "Leistungsträger".

Weiter verspricht er in diesem Eid, Schaden vom Volke abzuwenden. Das wäre für ihn ein Leichtes. Er müsste einfach nur zurücktreten. Bei Hartz IV würde er sicher nicht landen. Bei irgendeiner Hotelkette ist sicher noch ein gut dotierter Posten zu finden.

Bernd Donner, Konz

Politiker