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Finanzen: Falsch und unangemessen

Finanzen : Falsch und unangemessen

Zum Artikel „19-Tage-Regel für Grenzpendler soll während der Corona-Krise fallen“ (TV vom 1. April) schreibt Hans-Dieter Natus:

Auch oder gerade bei komplizierteren Themen sollte man von einer Tageszeitung sorgfältige Recherche und angemessene Wortwahl erwarten. Die einfache Grundregel lautet: Wer in Luxemburg arbeitet, zahlt in Luxemburg Steuern für seinen Arbeitslohn. Wer in Deutschland arbeitet, zahlt in Deutschland Steuern für seinen Arbeitslohn. Und wer zum Teil in Luxemburg und zum Teil in Deutschland arbeitet, zahlt für den jeweils anteiligen Lohn in dem Land Steuern, in dem er gearbeitet hat. Die sogenannte 19-Tage-Regel stellt eine Vereinfachung dar: Wer weniger als 20 Tage in dem einen Land gearbeitet hat, unterliegt mit seinem vollen Gehalt der Besteuerung in dem anderen Land. Damit soll unwirtschaftlicher Aufwand vermieden werden. Es gibt gute Gründe für diese Vereinfachung. Man kann natürlich darüber nachdenken, diese Regelung vorübergehend zu erweitern. Es drohen allerdings keine „steuerlichen Nachteile“, wenn ein Bürger der gesetzlichen Besteuerung unterliegt. Es drohen auch keine „saftigen Steuern“ in Deutschland, wenn ein Bürger mit einem geringen Teil seines Einkommens so wie alle anderen behandelt wird. Der deutsche Staat bittet auch niemanden „zur Kasse“ und kein Bürger muss Steuern an den Fiskus „abdrücken“.

Vor allem wird in dem Artikel der Eindruck erweckt, die deutsche Besteuerung käme zusätzlich zur Besteuerung in Luxemburg, was völlig falsch ist. Dass die Behörden des Großherzogtums der Ausnahme zustimmen werden, glaube ich auch. Sie erhöht ja die luxemburgischen Steuereinnahmen. Was den Finanzämtern künftig viel Arbeit aufbürden wird: Sie werden in einem Jahr unterscheiden müssen, welche Arbeitstage im Home-Office sich mit Maßnahmen erklären lassen, die die Corona-Pandemie bekämpfen sollten, und welche nicht. Ob dieser zusätzliche Aufwand in die Güterabwägung mit eingeflossen ist?

Hans-Dieter Natus, Vorsteher des Finanzamts Bitburg-Prüm, Bitburg