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Gesundheit: Falsche Wahrheiten

Gesundheit : Falsche Wahrheiten

Zum Interview „Die Homöopathie ist unwissenschaftlich“ mit dem Homburger Palliativmediziner Prof. Dr. Sven Gottschling (TV vom 27. Februar) schreiben Reinhard Litzenburger und Reinhard Müller:

Nicht nur gegen Homöopathie – nein, auch total gegen ausländische Mitarbeiter in ärztlichen Praxen! So legt sich Prof. Dr. Gottschling in dem ganzseitigen Interview fest. Es ist schon erstaunlich, wie viel Raum der TV diesem Mediziner einräumt, damit er seine Ansichten ausbreiten kann. Es gibt durchaus Punkte, in denen ich ihm zustimmen kann. Zur Homöopathie kann ich mich nicht äußern, da sind Berufenere sicherlich schon an der Arbeit. Aber zu seiner kategorischen Aussage, dass er keine Ausländer beschäftigt, weder als Ärzte noch als weitere Mitarbeiter, muss ich mich entschieden äußern: Keinesfalls will ich ihm mainstream-gutmenschenhaft eine Verletzung der veröffentlichten Meinung vorwerfen, sondern der geneigten Leserschaft lediglich aus unserer Arbeit berichten.

Als Dozent für (internetbasierten) Sprachunterricht „Deutsch als Zweitsprache“ kann ich sehr wohl behaupten, dass Mediziner die deutsche Sprache derart lernen  können, dass sie im Gespräch mit dem Patienten empathisch und kompetent rüberkommen. Exemplarisch haben wir dies mit einem Kinderarzt erfolgreich durchlaufen; dieser ist nunmehr in einem Krankenhaus in der Region tätig. Während seines Sprach­erwerbs in Deutsch war immer wieder das Gespräch darüber wichtig, wie Prof. Dr. Gottschling sagt, dass die Zwischentöne, die Feinheiten essentiell für das gegenseitige Verstehen notwendig sind. Und wenn die Empathie stimmt, so meine feste Überzeugung, wenn der Arzt offen ist für die Gefühlsregungen des Patienten, die ganz gewiss nicht an eine Sprache gebunden sind, dann gelingt auch eine verständnisvolle, beziehungsgestaltende Kommunikation.

Ich denke, jeder von uns kann in erheblicher Zahl misslungene Kommunikation mit einheimischen Ärzten aufzählen, angefangen mit Hautärzten, die einen keines Blickes würdigen, bis hin zu Ärzten, die ausfallend werden und den Patienten anbrüllen – da sind die Zwischentöne relativ irrelevant! Und was heißt gut integriert in dem Interview, heißt das nicht auch sprachlich?

Wenn sich alle Experten einig sind, dass dem Fachkräftemangel nur durch Zuwanderung entgegenzuwirken ist, wie will Prof. Dr. Gottschling das lösen? Oder brechen sich hier ganz andere Regungen Bahn? Ich hoffe nicht!

Reinhard Litzenburger, Kleinich

Die ganzseitige Werbung unter Themen des Tages für das Buch eines Professors aus Homburg im Zusammenhang mit Naturheilkunde und den sachlich falschen Aussagen über Homöopathie und Heilpraktiker ist für eine unabhängige  Tageszeitung zumindest fragwürdig. Falsche Behauptungen werden nicht dadurch richtiger, dass man sie möglichst oft wiederholt, zum Beispiel das angebliche Nichtvorhandensein von Ausbildungen für Heilpraktiker.

Eine detaillierte Auseinandersetzung mit derart falschen und einseitigen Inhalten sprengt den Rahmen eines Leserbriefes.

Ein Telefonat am Tag des Erscheinens dieses Machwerks mit der Dame, die das Interview führte, gipfelte in dem Eingeständnis, „keine Ahnung“ von Heilpraktikern zu haben. Immerhin reichte das Nichtwissen von Fakten aus, durch die Art der Fragen des Interviews dem Herrn Professor um den Bart zu gehen und seine einseitigen Aussagen unkritisch in die Welt zu posaunen.

Eine sachlich seriöse Vorgehensweise sieht anders aus, zum Beispiel, indem man unterschiedliche Standpunkte miteinander konfrontiert. Bleibt der Eindruck der Stimmungsmache und der Unterstützung von Hetze.

Der Spiegel, das selbstgefällige Organ journalistischer Ich-Verliebtheit, ist vor kurzem mit falschen und erfundenen „Fakten“ aufgefallen – mit großem Schaden für den Journalismus.

Der Trierische Volksfreund sollte im eigenen Interesse wachsam sein und auf Seriosität achten, sonst kommt er leicht in Gefahr, Stimmungsmacher und Verbreiter rein interessengesteuerter Inhalte zu sein.

Reinhard Müller, Heilpraktiker, Trier