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leserbriefe: Fatale Fehler

leserbriefe : Fatale Fehler

Zur Berichterstattung über den Einsturz der Morandi-Brücke in Genua schreiben Gerhard Lenssen sowie Arndt und Annette Müller:

Noch rätseln die Fachleute, was die Ursache für dieses schreckliche Unglück gewesen sein könnte. Ein Riss eines der betonummantelten Schrägseile? Die Betonummantelung sollte die Stahlseile vor Korrosion schützen – sie „tut“ aber genau das Gegenteil, sie fördert die Korrosion: Die Stahlseile unterliegen infolge Temperaturschwankungen und wechselnder Verkehrslast ständigen Längenänderungen. Der Ummantelungsbeton folgt aber Längenverlängerungen ziemlich widerwillig, das heißt es entstehen Risse im Beton, durch die dann Feuchtigkeit eindringt und Korrosion bewirkt. Frei liegende Stahlseile können überwacht und im Bedarfsfall erneut korrosionsgeschützt werden. Bei keiner der 16 Rheinbrücken mit Schrägseilen, von Schaffhausen bis Wesel, sind diese betonummantelt – vernünftigerweise. Genauso wenig übrigens wie bei der Hamburger Köhlbrandbrücke oder dem französischen Pont de Millau.

Gerhard Lenssen, Bernkastel-Kues

Um deutsche Sicherheitsauflagen muss man sich garantiert keine Sorgen machen. Unsere Brücken sind garantiert sicher – marode Atomkraftwerke in Nachbarländern  wie Cattenom aber leider nicht. Dabei wären bei dortigen Unfällen  nicht nur einige Menschen betroffen wie in Genua beim Brückeneinsturz, sondern eine Vielzahl. Davon abgesehen wäre es – wenn man einen Atomunfall überhaupt länger überleben würde – sehr quälend, langwierig erkrankt und möglicherweise verstrahlt dahinzusiechen. Brüssel greift ein, wenn es zum Beispiel um die Erhaltung ungerechtfertigter Verteilung von deutschem Kindergeld geht für Kinder, die ihren Lebensmittelpunkt in armen EU-Ländern haben, wo Kindergeld für ein Kind einem halben Monatseinkommen entspricht. Dagegen sind Kontrollen von bau- und sicherheitstechnischen Auflagen für Brücken, Atomkraftwerken et cetera und deren Auswertung in Brüssel anscheinend nicht gefragt.

Wie konnte man eine derartige verkehrstechnisch wichtige Brücke derart verkommen lassen? Und warum verbietet man keine ständig störanfälligen AKWs?

Das leuchtet nicht mal einem Grundschulkind ein – logisch. Aber darum geht es in der Politik längst nicht mehr ...

Arndt und Annette Müller, Konz