Tiere: Fehlgeleitet, unverbesserlich, verbohrt

Tiere : Fehlgeleitet, unverbesserlich, verbohrt

Zu den Leserbriefen unter der Überschrift „Der böse Wolf und der Mann mit dem Schießgewehr“ (TV vom 13./14. Juli) schreiben Fred Frenzel und Bernd Krewer:

Die Leserbriefe gehen teilweise an den Fakten vorbei, lediglich die Zuschrift von Egon Sommer ist ausgewogen. In Deutschland leben nach meinen Informationen 73 Rudel Wölfe und circa 700 Tiere, ein viel zu hoher Bestand, der auf circa 250 Tiere reduziert werden müsste. Einen Lebensraum für Wölfe gibt es in unserem dicht besiedelten Land nur auf einigen ehemaligen Truppenübungsplätzen. Im Jahr 2017 gab es circa 1100 Risse an Nutztieren, 2018 circa 1650 registrierte und von zuständiger staatlicher Seite erwähnt, also eine Zunahme von 50 Prozent. Fakt ist, dass bei einer Reproduktion der Wölfe mit von Experten geschätzten 30 Prozent 2025 mit mindestens 2000 Tieren zu rechnen ist, unglaublich und eine Katastrophe.

In Schweden leben etwas mehr als 300 Wölfe, in Norwegen rund 100, wenn es mehr werden, ist die Jagd erlaubt, in Lettland und Estland ist die Jagd frei. Das sind Länder mit großen unberührten Gegenden. Und wir leisten uns den „Luxus“ von 700 Tieren mit entsprechender Reproduktion. Das ist nicht mehr hinnehmbar, da auch unsere Nutztiere das Recht auf unversehrtes und stressfreies Leben haben. Die ewiggestrigen Vorhaltungen fehlgeleiteter, unverbesserlicher und verbohrter Naturschützer, die eine „Willkommenskultur“ und Hype auf den Wolf machen, ist nicht mehr akzeptabel. Der Wolf gehört ohne Wenn und Aber ins Jagdrecht wie alle anderen Raubtiere (Marder, Fuchs und sogar der Luchs mit entsprechendem Schutzstatus). Für einen Züchter ist es unzumutbar, teure Schutzzäune und überteuerte Herdenschutzhunde vorzuhalten in fünfstelliger Höhe, ohne die Folgekosten. Die meisten Schafzüchter sind am Existenzminimum.

Alle diejenigen, die den Wolf wollen wie Nabu, BUND und Tierschutzbund, sollen bitte schön für Schäden aufkommen und nicht die Allgemeinheit. In Rheinland-Pfalz ist es an der Zeit, Vorkehrungen zu treffen. Wer die Bilder von Wolfsrissen verinnerlicht, kann die Abneigung und den Zorn der Betroffenen verstehen, da hilft auch keine Entschädigung.

Fred Frenzel, Mitglied im Landestierschutzbeirat, Eisenach

Nahezu eine volle Seite widmet der TV den Leserbriefen zum Thema  Wolf. Wirklich bemerkenswert. Leider nahezu ausschließlich Empathie, dafür nahezu faktenfrei. Ein paar Fakten möchte ich nachliefern: Wir haben in Deutschland derzeit mindestens tausend Wölfe plus den diesjährigen Nachwuchs in Höhe von 30 Prozent des vorhandenen Grundbestandes, macht in summa etwa 1300. Die Entwicklung wird folgende sein:

2019: 1300 plus 400 = 1700.

2020: 1700 plus 500 = 2200.

2021: 2200 plus 600 = 2800.

2022: 2800 plus 800 = 3600.

2023: 3600 plus 1100 = 4700.

Und so weiter. Spätestens ab da wird keine Mutterkuhhaltung im Freiland mehr möglich sein. Die Wanderschäfer werden längst aufgegeben haben, weil es schlichtweg unmöglich ist, jeden Tag, den Gott erschaffen hat, ab 14 Uhr seine Herde wolfsdicht einzuzäunen.

Das gilt für die Postkartenidylle Lüneburger Heide mit Erika, Wacholder und Heidschnucken ebenso wie für die Deiche entlang der Nord-/Ostseeküsten und für die Schaf- und Rinderhaltung im Hochgebirge. Herdenschutzhunde sind auch kein absolut zuverlässiger Schutz, das haben etliche Vorkommnisse in Niedersachsen gezeigt, Esel sowieso nicht. Wir brauchen ausgewiesene Wolfsgebiete, innerhalb derer der Wolf einigermaßen schadensarm leben kann (Truppenübungsplätze zum Beispiel). Aber auch dort muss der jährliche zahlenmäßige Zuwachs entnommen werden. Eine ausufernde Wolfspopulation würde nach kurzer Zeit in die eigentlich wolfsfreien Gebiete des Umlandes (um die Wolfsgebiete herum also) auswandern.

Also muss in den Wolfsgebieten die maximale Größe des tragbaren Wolfsbestandes festgesetzt und mit jagdlichen Mitteln gehalten werden. Tierschutz ist nicht teilbar. Dem Schäfer und dem Mutterkuhhalter sind seine Tiere mindestens genauso lieb wie die Wölfe den Wolfsenthusiasten. Warum sollte der Bauer die Wölfe dulden müssen, die seine Kälber und Schafe reißen (auch wenn er sie teilweise aus Steuermitteln ersetzt bekommt), nur weil es einige überdrehte Tier- und Naturfreunde so haben wollen?

Offenbar haben wir Deutsche das Gefühl für jedwede Verhältnismäßigkeit im Natur- und Tierschutz verloren. Daran haben die Medien eine gehörige Mitschuld. Da wird Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner gescholten, weil sie Wolfsgebiete und wolfsfreie Gebiete fordert und scheitert an der Ministerkollegin für den Natur- und Artenschutz, die einen Nabu-Vertreter zum Staatssekretär macht. Die Landwirtschaft und die Jägerei sollten sich in der Wolfs-Problematik eng verbünden. Nur dann wird (vielleicht) Vernunft in die Debatte einkehren.

Bernd Krewer, Kinderbeuern

Anm. d. Red.: Wie viele Wölfe gibt es In Deutschland? Niemand weiß es genau. Das Bundesamt für Naturschutz will sich nicht festlegen, der Deutsche Jagdverband vermutet mehr als 1000 Wölfe. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums (www.bmu.de, Stand 22. Mai 2019) lebten im Monitoringjahr 2017/2018 in Deutschland 75 bestätigte Rudel, 30 Paare, drei Einzeltiere. In 56 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen (218 Welpen). Die Sterblichkeit junger Wölfe ist hoch – ein Grund, warum Hochrechnungen zum Gesamtbestand mit Unsicherheiten behaftet sind  und wissenschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht werden. Ungefähr 20 bis 30 Prozent eines Jahrgangs sterben (Straßenverkehr, Krankheiten, Abschüsse).