1. Meinung
  2. Leserbriefe

Gesundheit: Feministisch-zeitgeistiger Trend

Gesundheit : Feministisch-zeitgeistiger Trend

Zu den Artikeln „Frauenstreik gegen Männerkirche“ (TV vom 11. Mai) und „Verband: Frauen werden aus der Kirche austreten“ (TV vom 16. Mai) schreiben Marie-Antoinette Ternes, Anneliese Thommes und Rudolf Kemmer:

Zurück von einer Pilgerfahrt nach Fatima lese ich in den liegen gebliebenen Zeitungen von der Drohung der stellvertretenden Vorsitzenden der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), die Frauen würden massenweise aus der katholischen Kirche austreten, wenn man ihre Forderungen nach dem „Weiheamt“ nicht akzeptiert.

Meine inzwischen verstorbene Mutter ist vor schätzungsweise 25 Jahren aus der kfd ausgetreten, weil sie deren damalige Forderung nach dem Diakonat als Anmaßung empfand und sich nicht von diesem sich „katholisch“ nennenden Verband vertreten sah.

Ich selbst bin (noch) Mitglied im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB), der sich seit kurzem diesem feministisch-zeitgeistigen Trend angeschlossen hat und ebenfalls das Priesteramt für Frauen anstrebt.

Dies geschieht über die Köpfe der Mitglieder hinweg – ähnlich wie das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) sich berechtigt fühlt, für alle deutschen Katholiken zu sprechen.

Wer jedoch nicht mehr die 2000-jährige Tradition und Lehre der katholischen Kirche respektieren will, hat die Freiheit und möge sie bitte auch nutzen, zu einer der protestantischen Gemeinschaften/Kirchen zu wechseln, wo alle Träume der Verbandskatholiken schon erfüllt sind.

Ich weiß – zum Beispiel durch Pilgerfahrten und Gebetskreise –, dass viele Frauen (und Männer) sich auch heute noch Maria und ihren berühmten Satz „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“ zum Vorbild nehmen. Damit wurde sie nicht nur zur Mutter Gottes und Mutter der Kirche, sondern auch zur Königin des Universums.

Marie-Antoinette Ternes, Prüm

Dieser Streik ist längst überfällig. In zivilisierten Gesellschaften hat sich die Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit von Frauen längst durchgesetzt . Revolution muss immer von unten kommen. Gott ist nicht nur Herr, Vater und Sohn, er ist auch Geist und hat den Menschen geschaffen als Mann und Frau. Vom Privileg des Mannes und der Diskriminierung der Frau steht nichts geschrieben. Petrus und andere Apostel waren verheiratet, und Jesus hatte seine geliebte Maria Magdalena.

Die überlieferten Schriften wurden zur Zeit Konstantins so zusammengestutzt, dass der Machtanspruch passte und Frauen entwürdigt und gedemütigt wurden. Die „großen Kirchenlehrer“ wie Thomas von Aquin und Augustinus taten das Übrige. Für Thomas von Aquin hatten Frauen keine Seele, und bei Augustinus war Sexualität des Teufels. Erstaunlich nur, das Augustinus mit seiner langjährigen Freundin einen unehelichen Sohn hatte. Wie sagte Kardinal Walter Kasper treffend: „Wir sind ja auch nicht alle vom Himmel gefallen.“

Biblisch gesehen gibt es kein Recht, Frauen von den Weihe-Ämtern auszuschließen. Auch keine Rechtfertigung für den Zölibat, außer Macht und materielle Interessen. Mit Jesus und Gottesbeziehung haben diese Vorschriften nichts gemein.

Außerdem verstoßen diese Bestimmungen gegen die  Menschenrechts-Charta der Uno, in der es unter anderem heißt: Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung aufgrund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Und: Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl [...] auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Der Vatikan ist einer der wenigen Staaten, der die Menschenrechtscharta der Uno bis heute ablehnt. Es ist richtig, dass Frauen endlich ihr Selbstbewusstsein stärken und sich gegen das Patriarchat der katholischen Kirche zur Wehr setzen. Wenn’s nicht gelingt; hier zum Trost von Angelus Silesius: „Der Himmel ist in dir, suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“

Anneliese Thommes, Prüm

Der von der Initiative Maria 2.0 von Frauen in Münster angestoßene, sich bundesweit verbreitende Protest katholischer Frauen richtet sich gegen Machtstrukturen in der Kirche und die Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Amtsträger. Neben dem Zugang von Frauen zu allen Kirchen-Ämtern fordern die Initiatorinnen unter anderem die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine umfassende Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche.

Der im Apostolischen Schreiben „Mulieris dignitatem“ von Papst Johannes Paul II. erklärten Festlegung, dass die Kirche keine Vollmacht habe, Frauen zu Priestern zu weihen, ist zu widersprechen:

Die darin aufgestellte biblische Begründung, dass Jesus nur Männer in den Kreis der „zwölf Apostel“ berufen habe und dass nur sie bei der Einsetzung der Eucharistie zugegen gewesen seien, beweist nach meinem persönlichen Verständnis nicht, dass Jesus Frauen im Apostelkreis oder in deren Nachfolge Frauen im Priesteramt ausgeschlossen hat oder ausschließen wollte. Warum ging der damalige Papst in seinem Schreiben nicht auf die biblischen Erzählungen von den Begegnungen des auferweckten Jesus mit Frauen und deren starke Rolle in der entstehenden Frühkirche ein?

In der westlichen Kultur in Deutschland und dem vereinten Europa und weiteren demokratischen Staaten hat eine von unseren Vorfahren hart erkämpfte Fortentwicklung – nebst sozialen Errungenschaften – die allgemeinen Menschenrechte von 1948 und demokratische Verfassungen beziehungsweise das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland mit Verankerung der Gleichberechtigung von Mann und Frau in den meisten Bereichen der familiären, der beruflichen, politischen Lebenswirklichkeit weitgehend gebracht. So wie die Leitungs- und Ämterstrukturen der Männerkirche bis vor rund 100 Jahren den Strukturen in allen anderen Bereichen unserer Kultur und auch im Vergleich anderen Kulturen der Welt entsprachen, so sind sie spätestens seit der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte und der Gültigkeit unseres Grundgesetzes nicht mehr zeitgemäß, nicht mehr geschlechtergerecht und nicht (mehr) menschenwürdig. Wie kann die katholische Kirche heute glaubhaft sein? Besonders im Eintreten für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt, a) wenn sie im interreligiösen Dialog gegenüber fundamentalistischen oder konservativ und hierarchisch geprägten Religionsgemeinschaften Menschenrechte, Religionsfreiheit und Frauenrechte einfordert, b) wenn die Kirche heute Menschen vom Evangelium Jesu Christi als einem Glauben begeistern will, der den Menschen guttut, der dem Leben und vertrauensvollem Zusammenleben – wovon ich persönlich überzeugt bin – dienen kann.

Der aktuellen Aktion von Frauen für Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche wünsche ich als Laie, dass sie im Ergebnis dazu beiträgt, die schon vorhandenen zahlreichen Befürworter der Kirchenreform, die aber als Einzelstimmen nicht wahrnehmbar waren, – nun in einem Geiste zusammengeführt –  von der amtierenden Kirche in gutem Geiste gesehen, gehört, ernst genommen und ihre Anliegen in einem wahrhaftigen Klärungsprozess unter Mitwirkung von Laien einschließlich Frauen zur Entscheidung und Umsetzung gebracht werden.

Rudolf Kemmer, Wittlich, Mitglied bei den Orten von Kirche: Cursillo-Bibelgruppe; Gruppe-Wittlich der Pax-Christi-Friedensbewegung