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Zur Debatte über die Billionenfonds zu Euro-Rettung (TV vom 20. Oktober) und zur Gefahr einer Hyperinflation:

Millionenscheine - erinnert sich noch jemand daran? Wohl kaum, denn sonst wäre es nicht bald schon wieder so weit. Der Zehn-Millionen-Schein von 1923, Kleingeld, nur einseitig bedruckt, war wohl nicht das Papier wert, dass dafür verwendet wurde. Angesichts der schwindelerregenden Summen, die als Ausstattung des europäischen Rettungsfonds genannt werden, können wir uns wohl bald darauf einstellen, wieder ähnliche Beträge für ein Brot oder die Eintrittkarte im Kino über den Tisch schieben zu müssen. Weltweit sind gigantische Kapitalströme im Fluss. Eine von Pleitestaaten wie den USA, aber auch der Europäischen Zentralbank inflationär aufgeblähten Geldmenge, die in der tatsächlichen Wertschöpfung menschlichen Arbeitens keinen Gegenwert mehr findet, folgt zwangsläufig der völlige Zusammenbruch unseres auf Vertrauen basierenden Wertesystems. In ihrer Not wie auch ihrer unersättlichen Gier nach noch mehr haben die Finanzmärkte mit ihren mittlerweile faktisch wertlosen, fiktiven Zahlungsmitteln den vermeintlich letzten, sicheren Hafen - die Spekulation mit Nahrungsmitteln - angelaufen. Unbeeindruckt davon, welche Not, durch den rasanten Anstieg der Lebensmittelpreise, insbesondere in den Staaten der Dritten Welt ausgelöst wird, steht das globale Wirtschaftsgefüge unmittelbar vor dem Kollaps. Wenn es seit Monaten nicht gelingt, Griechenland - ein Staat mit zwei Prozent der gesamteuropäischen Wirtschaftsleistung - zu retten, dann sollte auch der Dümmste begriffen haben, was zwangsläufig kommen wird. In diesem Kontext wird sich auch die Frage nach einer grundlegenden Änderung unseres Wirtschaftssystems stellen. Wie lange noch werden es sich 99 Prozent der Bevölkerung gefallen lassen, von einem Prozent Zockern und ihren politischen Handlangern ausgepresst zu werden? Den Beginn dieser Szenerie sehen wir heute in Athen. So surreal wie am Vorabend des Sturms auf die Bastille. Da sind es nur kleine Schritte nach Rom, Madrid, Paris, London und Berlin. Wenn der Präsident der Grande Nation, Nicolas Sarkozy, wie ein geprügelter Hund bei Angela Merkel zu Kreuze kriecht, dann muss ein Blinder erkennen, dass die europäische Hütte in hellen Flammen steht. Es ist zu befürchten (hoffen), dass sich für Europa wiederholt, was die Deutschen am 9. Mai 1945 schon einmal erlebt haben: die Stunde Null. Hans Moll, Wallenborn

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