Finanzen

Zur Berichterstattung über den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses und zum Kommentar "Es geht uns zu gut" (TV vom 22. Juni):

Nun steht es also fest: Das Berliner Stadtschloss wird für Hunderte Millionen Euro - Betrag nach oben noch offen - neu gebaut. Wie man uns glauben machen will, muss ja gespart werden. Kulturelle Einrichtungen, Theater, Bibliotheken werden infrage gestellt, marode Schulen werden nicht repariert, es gibt Armut in unserem Land, der ohnehin überschuldete Staat nimmt trotz wachsender Steuereinnahmen alljährlich Milliarden Euro neuer Kredite auf. Ein normal denkender Mensch kann das nicht verstehen, geschweige denn akzeptieren. Und nun dies: Ein neues Schloss muss her, auf Pump bezahlt. Wofür brauchen wir das? Welchen Sinn, welche Rechtfertigung sehen unsere Volksvertreter darin, welche Notwendigkeit, einem solchen Beschluss zuzustimmen? Warum schreit da keiner auf und opponiert gegen diesen Wahnsinn, diese Zumutung dem Volk gegenüber? Sind das Leute, die unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben wollen und ihm schon mal ein Schloss bauen? Eine Regierung, ein Finanzminister, die solchem Unsinn zustimmen, haben jedes Vertrauen verspielt, jede Glaubwürdigkeit verloren. Anna E. Peters, Bleialf Quousque tandem abutere (patientia) pecunia nostra Berlina? Wie lange noch wirst Du unser(e) (Geduld) Geld missbrauchen (Catilina) Berlina!? So könnte man die Reden des Cicero gegen Catilina im alten Rom abwandeln. Ja, hat denn diese Republik oder diese Möchtegern-Hauptstadt keine anderen Sorgen? Soll denn schon wieder "Wilhelminische Großmannssucht" Auferstehung feiern? Wie recht hat Dieter Lintz in seinem Kommentar. Auf seine Wette, dass am Ende mindestens eine Milliarde Euro verbraten sein werde, könnte man getrost setzen. Wenn, ja wenn es eine echte Wette wäre! Wie zwischen Mephisto und Gottvater in Goethes Faust kann sie keine Wette sein, es sei denn, die Initiatoren dieser Maßnahme sind naiv und ignorant oder sie wissen sehr wohl um reale Preisentwicklungen im Baugewerbe und verschleiern diese bewusst vor dem Steuerzahler. Oder hofft man gar auf Anerkennung dieses Preußen-Tempels als Weltkulturerbe, um größere Akzeptanz beim Steuerzahler zu erzielen? Und überhaupt, was sagt wohl Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu solchen Spielchen? Wird er auch hier in die Bresche springen? Denn die Stadt Berlin ist, wie man hört, "pleiter" als pleite! Aber, er muss. Denn schließlich ist er entscheidend dafür verantwortlich, dass sich durch seine damalige "Brandrede" im Bonner Bundestag, als es um die Hauptstadt-Entscheidung ging, eine "knappste" Mehrheit für die Metropole am Ostrand der Republik entschied. Adolf Schuler, Trier Dieter Lintz wird richtig liegen mit seiner Prognose, dass dieser Bau - das Berliner Stadtschloss - nicht unter einer Milliarde Euro zu haben ist. Und auch die Elbphilharmonie in Hamburg wird wohl ähnlich viel kosten. Die Frage ist nur, wieso sich Herr Lintz über die exorbitanten Kosten dieser Protzbauten - wie er sie nennt - echauffiert, wenn sich an der Mosel das Gleiche abspielt: Die B 50 neu samt Moselhochübergang bei Zeltingen-Rachtig dürfte nach Einschätzung renommierter Fachleute mindestens eine Milliarde Euro kosten! Allerdings: Im Vergleich zum Berliner Schloss gibt es wesentliche Unterschiede: An der Spree wird ein Bauwerk mit hohem kulturhistorischen Stellenwert rekonstruiert, das den Krieg zwar beschädigt, aber wiederaufbaufähig überstanden hatte. Walter Ulbricht ließ es 1950 sprengen, aus persönlichem, irrationalem Hass auf alles, was nach "Preußens Gloria" aussah. (Insofern nahm der rote Diktator den Vandalismus der chinesischen "Kulturrevolution" vorweg). Ganz anders an der Mosel: Hier wird eine 2000-jährige Kulturlandschaft durch das Betonmonster verhunzt. Die unausweichliche Folge: Die Welterbekommission der Unesco wird der Mosel den angestrebten Welterbe-Status versagen. Dies wiederum wird alle Gemeinden der Region sehr schmerzhaft treffen: Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag pro Jahr dürfte es sein, der fehlen wird! Wollen wir uns das leisten? Und der Nutzen? Im Berliner Fall werden die Humboldt-Stiftung und die Humboldt-Universität von der Rekonstruktion profitieren. Der Hochmoselübergang dagegen wurde erst 2009 von Berlin bezüglich des Nutzen-Kosten-Verhältnisses um 50 Prozent abgestuft. Wenn mittelfristig der Flughafen Hahn wegen des Dauer-Defizits geschlossen wird, dürfte der Nutzen-Kosten-Faktor unter null rutschen. Das heißt: Die Hochmoselbrücke würde als milliardenschwere Investitionsruine die Landschaft "bereichern". Diese Aussicht dürfte den Bürgern nicht gleichgültig sein. Noch wäre Zeit, umzusteuern! Helmut Körlings, Traben-Trarbach Vor einigen Tagen konnte man lesen und hören, dass in Berlin das Stadtschloss wieder aufgebaut wird, das zu DDR-Zeiten abgerissen wurde. Warum braucht Berlin ein Stadtschloss? Überall fehlt Geld, der Normalbürger soll sparen, wo er nur kann. Aber wie soll eine Familie sparen, wenn das Geld hinten und vorne nicht reicht? Das Stadtschloss kostet Millionen. Warum geben Regierung und Spender das Geld nicht an Bedürftige? Die haben aber keine Lobby. Ich dachte immer, die Monarchie wäre in Deutschland abgeschafft. Als Nächstes bekommen wir eine Kaiserin Angela mit Gefolge. Da gilt ein großes Lob der neuen Kieler Landesregierung mit Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). Dass ich das noch erleben darf, dass Politiker Gehaltsabzüge hinnehmen! Sonst heißt es immer, die Diäten werden erhöht. Katharina Jost, Trier