finanzen

Zur Krise Griechenlands und zum Streit der europäischen Staats- und Regierungschefs um einen Rettungsschirm:

Meinung

Raus aus dem Euro, die Drachme kräftig abwerten und neu starten
Allmählich erscheinen mir die europäischen Politiker wie eine Horde Kinder, die mit unserem Geld Monopoly spielen. Gerade erst haben sich Klein-Angie und Klein-Nico in Berlin zum Essen getroffen und dabei die privaten Geldanleger, die seit Langem die fetten Risikozinsen der griechischen Staatsanleihen kassieren, eingeladen, doch bitteschön auch ein Scherflein zur Verhinderung der griechischen Staatspleite beizutragen. Aber nur dann, wenn sie wollen, mögen oder ein paar Cent über haben. Anschließend: großer Erfolg, Jubel, denn Deutschland und Frankreich haben wieder einmal Europa weitergebracht. Toll! In Wahrheit kann Griechenland nur sich selbst helfen. Raus aus dem Euro, die Drachme kräftig abwerten und neu starten. Das heißt, die Griechen müssen lernen, innerhalb ihrer Verhältnisse zu leben, nur soviel kaufen zu können, wie sie auch Geld aus eigener Wertschöpfung haben. Wir Deutschen mussten das auch lernen, und wir zehren noch heute davon, dass die realen Einkünfte der Otto Normalos immer weniger wurden. Natürlich warnen jetzt die Experten, wenn die Griechen die Euro-Zone verließen, könne das zu unabsehbaren Folgen führen, zu einer neuen Weltwirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes. Diese Experten jedoch haben ihr Meisterstück abgeliefert, als sie das Heraufdämmern der letzten Finanzkrise nicht einmal zu einem Jota vorausgesehen haben. Experten eben, auch toll! In Wahrheit kann es nicht schlimmer kommen, als es jetzt schon ist. Herr Papandreou ruft in Brüssel, Paris und Berlin an und sagt Bescheid, dass ihm das Geld wieder nicht reicht, und eilfertig setzen die europäischen Monopoly-Kinder ernste und sorgenvolle Gesichter auf und einigen sich, wieder etliche Milliarden Euro nach Athen zu tragen. Wie würde Kurt Beck, unser verehrter Ministerpräsident, lachen, wenn er so aus dem Länderfinanzausgleich schöpfen könnte. Vor langer Zeit habe ich gelernt, wahre Politiker seien Menschen, die das Jetzt in die Zukunft projizieren könnten. Aber das gilt wohl nicht mehr. Wir verfügen nur noch über Politikdarsteller, die wir uns dummerweise selbst gewählt haben. Wolf-Rüdiger Wulf, Trier