Energie: Fortschritt? Ja, aber nicht vor der eigenen Haustür!

Energie : Fortschritt? Ja, aber nicht vor der eigenen Haustür!

Zur Berichterstattung über Ökostrom und E-Mobilität schreibt Rainer Weinand:

Der Bau neuer Windkraftanlagen ist fast zum Erliegen gekommen, so ist derzeit oft zu hören. Schuld daran sind neben bürokratischen Hindernissen und langatmigen Genehmigungsverfahren auch die in unerträglichem Maß zunehmenden Klagen gegen die Errichtung von Windrädern. Mittlerweile ist es in Deutschland ja schon fast ein Volkssport, gegen jedes Vorhaben zu klagen. Den Fortschritt wollen alle, aber bitte nicht vor der eigenen Haustür. Ob gegen Windräder, Straßen, Eisenbahnlinien oder Gewerbegebiete – es wird vor Gericht gezogen, die Projekte werden in die Länge gezogen und am Ende um ein Vielfaches teurer als ursprünglich geplant. Wenn wir die Energiewende wollen, müssen wir alle auch einsehen, dass es nicht nur Vorteile geben kann. Doch die Nachteile will niemand in Kauf nehmen.

Leider ist es auch so, dass die umweltpolitische Kompetenz unserer Politiker nah an der Null-Linie angesiedelt ist. Egal welcher Partei angehörend, es wird nur gewurschtelt, die Ergebnisse treiben einem die Zornesröte ins Gesicht. Da wird zum Beispiel am Ranzenkopf im Kreis Bernkastel-Wittlich eine riesige, gesunde Waldfläche gerodet, um ein paar Dutzend Windräder aufzustellen – und ein paar Kilometer weiter wird ein völlig unnötiger Flugplatz auf Kosten des Steuerzahlers betrieben.

Einen Aufschrei der Umweltaktivisten oder der grünen Partei-Lemminge habe ich nicht vernommen. Sobald das Land Rheinland-Pfalz keine Subventionen mehr für den Hahn rausrückt, verziehen sich die Chinesen schneller, als sie gekommen sind. Dann wird der Hahn sicher wieder zum Verkauf angeboten – gut, dass ich meine fünf Euro noch habe …

Und dann die Idee, Deutschland zum Land der Elektroautos zu machen. 50 000 Ladestationen sollen in den nächsten zwei Jahren aufgestellt werden. Nach Adam Riese sind das 25 000 Stück pro Jahr, bei circa 220 Arbeitstagen im Jahr also ungefähr 114 Stück am Tag. Bis zum Jahr 2030 soll es dann eine Million sein – also noch einmal 950 000 Ladesäulen in neun Jahren, rechnerisch gute 100 000 Stück jährlich, täglich fast 500 Ladesäulen. Dass die Dinger erst einmal produziert werden müssen, die Infrastruktur hergestellt werden muss und genügend Personal da sein muss, um die Teile aufzustellen, ist in der Kalkulation unserer klugen Politiker wohl noch nicht eingerechnet.

Sicher ist, dass Frau Merkel solange „wir schaffen das“ sagen kann, wie sie will. Hauptsache, wir haben eine CO2-Steuer, mit der wir den Bürgern das Geld aus der Tasche ziehen können. Mit dem (siehe oben) abgeholzten Wald hätte man viel CO2 aus der Luft herausfiltern können, die Steuer schafft das garantiert nicht. Aber sie füllt die Staatskasse, aus der sich unsere „Volksvertreter“ bedienen können. Solange wir diesem Treiben zuschauen, sind wir selbst mitschuldig. Leider gibt es keine wählbaren Alternativen für die alteingesessene Polit-Elite; dass aus der „Generation Greta“ in absehbarer Zukunft eine Konkurrenz erwächst, ist leider nicht zu erwarten.

Rainer Weinand, Maring-Noviand