Forum

Liebe Leserin, lieber Leser, Sie müssen jetzt tapfer sein. Das Forum geht in die vierwöchige Sommerpause.

Zuvor gibt\'s zur Erheiterung - fast schon eine Tradition - neue Fundstücke aus der Hexenküche des Lektorats. Verhacker, Vertipper, Verhunzer, die beim Korrekturlesen aufgefallen sind und nie in die Zeitung gelangten. Zum Glück! Hier einige der schönsten schrullig-schrägen Buchstabendreher und Stilblüten, verpackt in eine Geschichte voller Fehler, wie sie im richtigen Leben natürlich nie vorkommt: Im Anfang war das Wort. Eigentlich mehrere Wörter. Um genau zu sein: drei Sätze. Frau A. aus B. feiert den 98. Geburtstag. Ihre beiden Söhne fielen im Krieg. Der TV gratuliert. Oje, oje. Was hat der Redeakteur, ähh, der Redakteuer, nennen wir ihn Willi Winzig, sich dabei bloß gedacht? Die alte Dame zu beglückwünschen, dass ihre Sprösslinge tot sind! Wohl urlaubsreif, der Kollege! Hat sich ein bisschen viel zugemutet in letzter Zeit! Ab an die frische Luft, mal ausspannen, zum Beispiel im Ferienland Manderscheid. Da kann er Kurnachrichten (statt: Kurznachrichten) schreiben, so viel er will; die Kurveraltung ist gleich um die Ecke. Bloß weg von der Hektik der Einkautempel der Stadt. Ach, wie herrlich, diese Idylle. Winzig ruht im Schatten der Süßkirche, schaut Meerscheinchen nach, die auf der Wiese herumtollen, träumt davon, sich an Krankreichs Mittelmeerküste in der Sonne zu rekeln und besucht am Abend eine Lesung von fünf Krimautoren (auf Ukrainisch?!) - samt Diskussion im Anschluss an den Vortag. Doch bald ruft die Pflicht. Der Alltag hat ihn wieder. Berichten, wie Schüler ihren Abschluss eiern (statt: feiern), aufschreiben, warum die hundertsechzig Metzer hohe Brücke nichts taugt, zuhören, wie der Kämmerer den Haushalt erläutet. Dingdong. Unser rasender Reporter streift überall herum, wo Reben und Rüben gedeihen, in ganz Rheinland-Pflanz. Besonders liebt er die Eitelkeit (statt: den Eifelkreis) Bitburg-Prüm. Oft mit nichts im Sinn, als einen lecken Apfel zu essen. Winzig kümmert sich um den Anbau von Braugesten (statt: Braugerste), und als er erfährt, dass die Mimik mehr zählt als die Gestik, schießt er ein reisgekröntes Bild. Winzig besucht Winzer und lernt, dass eine Entblätterung zu Blühbeginn die Verrieselung fördert. Nanu, faselt er: Normalerweise stehen sie in Gummistiefeln im Wingert. Für die Feier haben sie die gegen Anzug und Abendkleid getauscht. Eine Lese in schicken Klamotten. Was für ein Jahrgang! Es zieht ihn weiter in jene berühmte Gegend, wo einst die Menschen auf den Böhmen hausten. Und schaurige Mähren von anno dunnemals erzählten, oder so. Eine chlorreiche Idee, vielleicht ein bisschen anrüchig, aber sei\'s drum. Zwischendurch recherchiert unser Mann über den österlichen Brauch des Eierscheißens, was ihm kurz vor Frohnleichnam beinahe Ärger mit dem Amtstrichter beschert. Der jedoch ist vollends damit ausgelastet, die Katzenpopularität (statt: Katzenpopulation) in seinem Sprengel einzudämmen. Der Höhepunkt des Jahres naht. Winzig verbringt schlaglose Nächte, bevor er zur Heilig-Rock-Waldfahrt aufbricht. Links ein Baum, rechts eine Bäumin. An der Bußhaltestelle trifft er Pilger, einige Britten von der Insel, darunter Benjamin, den begabten Komponisten, sowie einen Trupp junger Leute aus Luxemburg, die sich zum Austauchprojekt gemeldet haben. Gemeinsam streben sie zum eiligen Rock. Schlangestehen vor dem Dom. Warten. Viele Menschen sind auf das Geländer geströmt. Ein Balance-Akt. Für die Rock-Fans und für den Verstalter. Anschließend wird auch noch eine Türkollekte gesammelt. Was nun? Welkt der Gaube dahin? Werden die Gedanken besteuert? Was überhaupt sind die Grünen (statt: Gründe)? Ach, die Grübelei führt zu nichts, ein bisschen Ablenkung tut not. Kino vielleicht? Flucht der Karibik, ein Abenteuerfilm mit Johnny Depp. Oder, noch besser, ein Konzert: Das Gitte (statt: Gitter) ist auf dem Gelände abgestellt und singt Jazz. Als bessere Wahl entuppt (statt: entpuppt) sich der legendäre Paul Anker (statt: Paul Anka). Mensch, ist das laut geworfen (statt: geworden), wohl wegen der riesigen Lautprescher (statt: Lautsprecher). Am Ende überschüttet das Publikum den Künstler mit Ovulationen (statt: Ovationen). Wie bitte?! Es überschüttet ihn mit Eisprüngen? An BHs und Höschen, die auf die Bühne fliegen, hat sich der alte Charmeur gewöhnt. Aber nicht an Eisprünge. Niemals. Herzliche Grüße, bis neulich! Peter Reinhart, stellvertretender Chefredakteur E-Mail: forum@volksfreund.de Die Kolumnen im Internet: http://forum.blog.volksfreund.de Lesen Sie zum Thema: Thymallus thymallus; Buchstabenlawine im Olympiabad; Der menschliche Makel; Getretner Quark; Manche mögen\'s heiß; Der ewige Mahlstrom; Die Wüste der Erkenntnis; Die Sprache gehört dem Volk; Vom Ruck zum Rutsch; Die Zahnpasta der Ayatollahs; Lechts und rinks; Kunstdünger und Fistelstimmchen; Der Er-bonkel aus Pie-sport; Wie es euch gefällt.