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Der fast schon verzweifelte Hilferuf eines Lesers: Diese schrecklichen Floskeln und Phrasen nerven. Wenn ich in Volksfreund-Überschriften etwas von "grünem Licht" lese oder dass mal wieder ein Politiker "unter Beschuss" geraten ist, gruselt\'s mich.

Lieber Sprachfreund, geht mir genauso, ärgert mich genauso. Da buddelt ein Korrespondent im Berliner Polit-Treibhaus die neueste Neuigkeit aus - und versteckt sie hinter einem Gebüsch aus hohlen Phrasen. Da rührt ein Reporter den Teig zu einer irren Geschichte an - und verbackt sie mit Zutaten, deren Verfallsdatum seit Jahrzehnten abgelaufen ist, zu einem knochentrockenen Langweiler. Da entdeckt ein Redakteur im blubbernden Nachrichtenfluss eine glitzernde Perle - und verschusselt sie unter Schichten von abgewetzten Versatzstücken. Blabla, Sülze, Schwamp zuhauf, obwohl die Sprache so reich ist. Lasst sie funkeln, Leute! Lasst die Binsen und Schablonen, die Politiker, Wirtschaftsbosse oder Fußballtrainer verlautbaren, einfach weg! Übersetzt sie! All die stereotypen Redewendungen, all die ausgeleierten Hülsen. Nehmt sie ins Visier, die Sprachrituale, stellt sie auf den Prüfstand oder, noch besser, an den Pranger! Blast zur Attacke auf die elenden Wortungetüme, tretet auf die Bremse, wenn wieder so ein Blähmeister auf die Tube drückt! Gewiss, es ist ein Kampf mit harten Bandagen, aber bedenkt, was auf dem Spiel steht: Die Spitze des Eisbergs, die bislang nicht unter den Teppich gekehrt werden durfte, muss endlich im Keim erstickt werden. Kein fader Beigeschmack, kein Bauernopfer, kein Bärendienst, der diesem oder jenem zu erweisen ist, kein Aderlass. Legt euch ins Zeug! Und werft bitte nicht gleich das Handtuch! Herzliche Grüße! Peter Reinhart, stellvertretender Chefredakteur E-Mail: forum@volksfreund.de Mehr Kolumnen im Internet: <%LINK auto="true" href="http://forum.blog.volksfreund.de" class="more" text="forum.blog.volksfreund.de"%>