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Marianne Lutz aus Wasserliesch schreibt: Ich schätze mich glücklich, in einer Demokratie zu leben, in der die Meinungsäußerungsfreiheit gesetzlich verankert ist. Der § 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland regelt das.

Allgemein verbreitete Einschränkungen sind unter anderem gegeben, wenn es um persönliche Ehre, Beleidigungen, Verleumdungen, Sittlichkeit und Jugendschutz geht. Von diesem Recht auf freie Meinungsäußerung mache ich gerne Gebrauch. Unter anderem, indem ich Leserbriefe schreibe. Natürlich kann ich nicht davon ausgehen, dass alle Leser meine Meinung teilen; das wäre auch ungewöhnlich. Doch ich stelle mich gerne der Diskussion. Aber anonyme, mich beleidigende, an meine private Adresse gerichtete Nachrichten, immer von demselben Absender ("H.M."), kann ich nicht akzeptieren. Das ist schäbig und zeigt, wes Geistes Kind der Schreiberling ist. Aber es wird mich nicht daran hindern, auch in Zukunft meine Meinung zu Themen, die im öffentlichen Interesse liegen, in Leserbriefen zu äußern. Liebe Frau Lutz, vielen Dank für Ihre Zuschrift, auch wenn der Anlass nicht erfreulich ist. Was von anonymen Schmierfinken zu halten ist, habe ich mehrmals in dieser Kolumne beschrieben: So ein Gebaren ist schlechter Stil, mindestens, und womöglich ein Fall für die Justiz (Beleidigung? Bedrohung? Belästigung?). Klar, wer seine Meinung in öffentliche Debatten wirft, muss damit rechnen, dass sich Widerspruch regt - völlig okay. Mitunter ballern aber Heckenschützen aus dem Hinterhalt - eine miese Masche. Den Mut, sich zu bekennen, bringen solche Lümmel nicht auf. Das erleben wir in der Redaktion fast jeden Tag ... Dabei ist es gar nicht schwierig. In dieser Zeitung darf jeder sein Herz ausschütten, meinetwegen schimpfen, gerne kritisieren - aber nicht inkognito. Gegen Anonymität an sich ist nichts einzuwenden: Sie ist wichtig, um demokratische Staaten zu organisieren (Wahlgeheimnis); sie ist wichtig, um gesellschaftliche Probleme anzugehen (Anonyme Alkoholiker); sie ist wichtig, um üble Machenschaften aufzudecken (mit Hilfe von Informanten, neudeutsch: Whistleblowern). Anonymität als bedeutende Errungenschaft des Internet-Zeitalters? Ja! Erstmals in der Geschichte ist es fast überall auf der Welt möglich, den Mächtigen die Meinung zu sagen, ohne Leib und Leben zu riskieren. Herrlich herrschaftsfrei! Alles wunderbar. Wenn, ja wenn diese Pöbelei nicht wäre, dieses Geifern und Giften, diese Häme. Ein falsches Wort genügt, schon bricht ein Shitstorm los, ein Sturm aus Sch... Die Generation Internet ist mit der Kommentarfunktion groß geworden und drückt bedenkenlos aufs Knöpfchen. Der Ton wird rüder, aggressiver. Was tun, wenn anonyme Stänkerer nerven? Ignorieren, nicht ärgern - das beruhigt für gewöhnlich die Gemüter. Und wenn\'s kriminell wird, sind die Straf ermittler gefordert. Mein Wunsch, liebe Frau Lutz: Lassen Sie sich nicht unterkriegen! Herzliche Grüße! Peter Reinhart, stellvertretender Chefredakteur E-Mail: forum@volksfreund.de Mehr Kolumnen im Internet: http://forum.blog.volksfreund.de

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