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Fragwürdig und inakzeptabel

Fragwürdig und inakzeptabel

Zum Leserbrief "Nicht dem Zeitgeist unterwerfen" (TV vom 12./13. Februar):

Herrn Welters Glauben respektiere ich selbstverständlich (dieser Respekt ist übrigens eine Errungenschaft der Aufklärung), er ist seine Privatsache wie auch seine Meinung zum Zölibat und zum Frauenpriestertum. Ich halte jedoch einige Aussagen und die Vermittlungsrhetorik für fragwürdig und inakzeptabel.

Ob der TV genüsslich und in epischer Breite die alte Leier als scheinbar Sensationelles berichtet, mag Herr Welter so formulieren, damit wird schon im Ansatz eine fundamentale Ablehnung bekundet. Das ist sein gutes Recht. Wie anders wäre aber die Lesart, wenn statt "epischer Breite" ausführlich dastünde und wenn es statt "genüsslich" (welchen Genuss sollte der Autor des Berichts dabei haben?) gründlich hieße. Die "alte Leier" würde zum lang andauernden Diskurs und das "Sensationelle" zur (erneuten) Aktualität.

Wenn diese Herrschaften (es sind im Übrigen auch nicht wenige Frauen darunter) seit Langem schon die Reformierung der katholischen Kirche anmahnen, dann muss das nicht zwangsläufig einem Beliebigkeits- und Egoismus-Zeitgeist entstammen, sondern dem durchaus aufgeklärten, emanzipatorisch und demokratisch ausgerichteten Bewusstsein der Gegenwart, welche antik-byzantinische Hierarchie, feudalistischen Pfründenanspruch, diktatorische Ketzer- und abergläubische Hexenverfolgung ebenso infrage stellt, ja als menschenfeindlich ablehnt, wie den Anspruch auf theologische Alleinrechtmäßigkeit. Der letzte Satz zeigt, dass sich die katholische Kirche sehr wohl dem jeweiligen Zeitgeist anpasste, solange dieser nicht den Verzicht auf Macht beinhaltete. Was Gott damit zu tun hat? Ich weiß es nicht.

Michael Wilmes, Ralingen

katholische kirche