1. Meinung
  2. Leserbriefe

Politik: Fragwürdige Hilfsaktion

Politik : Fragwürdige Hilfsaktion

Zum Artikel „Neue Hoffnung für Thomas-Cook-Kunden“ (TV vom 12. Dezember) schreibt Alfons Plein:

Ich möchte vorausschicken, dass ich jedem geprellten Thomas-Cook-Urlauber seine Entschädigung von Herzen gönne. Leider muss ich jedoch feststellen, dass ein Begleichen aus dem Steuertopf mehr als fragwürdig ist. Zumal Angela Merkel, Olaf Scholz und die anderen Regierungsmitglieder bei schwerer wiegenden Maßnahmen zuweilen nicht so kulant gegenüber ihren Bürgern sind.

Ein aktuelles Beispiel ist die Besteuerung der privaten Altersversorgung. Dabei müssen viele fleißige Arbeitnehmer bei ihrer zukünftigen, selbst zusammengesparten Zusatzrente mit 18 Prozent Abzügen rechnen, obwohl die jeweiligen Regierenden in der Vergangenheit immer wieder zur privaten Altersvorsorge aufgerufen haben. Hieran kann auch der kürzlich beschlossene Freibetrag von monatlich 158 Euro bei der privaten Zusatzrente für die meisten Betroffenen nur ein kleiner Trost sein und muss bei genauerem Hinsehen als eines der vielen Blendwerke angesehen werden. Ich unterstelle den Regierenden, dass sie mit der Aktion „Thomas Cook“ eine größere Wählergruppe besänftigen wollen und auf künftige Wahlergebnisse schielen. Man kann gespannt sein, wie das Prozedere der staatlichen Entschädigung aussieht. Wird dabei auch eine Bedürftigkeitsprüfung wie bei der Debatte um die Grundrente von unseren Volksvertretern vehement eingefordert werden? Sicher nicht, es wird ohne bürokratischen Aufwand entschädigt und möglichst schnell das Mäntelchen der Barmherzigkeit darüber gebreitet werden.

Vielleicht hatte ja der eine oder andere Politiker auch eine Reise bei diesem Pleite-Unternehmen gebucht und freut sich nun, wie die vielen geprellten Normalbürger, auf eine Entschädigung aus dem Steuersäckel. Mich bestärkt dies – neben vielen anderen Eskapaden der Bundesregierung – darin, nicht mehr an  Wahlen teilzunehmen. Weil mir die wählbaren Politiker in den etablierten Parteien ausgehen und Parteien wie die AfD keine Option darstellen.

Alfons Plein, Sefferweich