Bildung: Fragwürdige Umfrage

Bildung : Fragwürdige Umfrage

Zu unserem Artikel „Umfrage: Kinder möchten Schulbeginn um 8:40 Uhr“ (TV vom 7. September) schreibt Horst Schorle, Ingendorf:

Wir erleben seit Jahren, dass Kinder immer mehr zu Entscheidungsträgern werden. In der Schule darf ein Kind entscheiden, ob es lieber am Mathe- oder Deutschunterricht teilnimmt oder mal so einfach die Klasse verlässt, wenn es gerade  nicht passt. In der Kita ist es dem Kind überlassen, ob es bei Regenwetter besser mit oder ohne Regenkleidung nach draußen geht, in der Familie bestimmen Kinder oft den gesamten Ablauf des Familienlebens. Die Leitungsfunktion, das Erziehen und damit die Verantwortung der Erwachsenen sind vielerorts  längst auf der Strecke geblieben. Und jetzt die „repräsentative“ Umfrage in Anlehnung an eine Studie aus den USA zum späteren Unterrichtsbeginn.

Dass ein Erst-,-Zweit oder Drittklässler (kennen oftmals noch nicht die Uhrzeit) eine detaillierte Zeitangabe zum Wunsch eines Unterrichtsbeginns machen kann, halte ich nach eigenen Recherchen für mehr als zweifelhaft. Dass ein Kind eher später zum Unterrichtsbeginn gehen möchte, ist doch selbstredend. Hätte man in der Umfrage gefragt, willst du lieber Computerspielen oder am Schulunterricht teilnehmen, hätte sich eine  überwiegende Anzahl Kinder für das Erstere entschieden. So weit zum Wert solcher Umfragen.

Wenn sich nun Schlafforscher und Schlafmediziner diesem Kinderbegehren anschließen, muss man ernsthaft über die Kompetenz dieser Leute nachdenken. Andere Studien haben ergeben, dass sehr viele Kinder und Jugendliche nicht vor 23 Uhr ins Bett kommen. Darüber hinaus dauert es danach noch wesentlich länger, bis in den Schlafzimmern Ruhe einkehrt. Da werden Smartphones bedient, Akkus geladen und bis in die Puppen Fernsehen geschaut. Die kindliche Psyche ist von den Aktivitäten des Tages bis hinein in die Nacht komplett überladen, um nicht zu sagen, gestresst. Wie sollen da die Kleinen und Jugendlichen zu einem gesunden und erholsamen Schlaf finden? Und wie sollen sie am nächsten Tag Konzentration und Leistung abrufen können?  Daran ändert auch nichts der um eine Stunde spätere Schulbeginn. Selbst wenn ein Kind damit eine halbe Stunde länger schlafen könnte, wird es damit die Schlafstörungen nicht wettmachen können, die die oben genannten Gründe mit als Ursachen haben.

Aber wie so oft  versucht man sich an den Symptomen, ohne den Wurzeln auf den Grund zu gehen, und schiebt die Verantwortung einfach auf die Kinder.  Der seit Jahren verfehlten Bildungspolitik mit all ihren Auswüchsen soll nun womöglich der nächste „große Coup“ hinzugefügt werden.  Schon jetzt verzeichnen Privatschulen immer mehr Anmeldungen, weil Eltern ihre Verantwortung erkannt haben und mit dem Kurs, den die Schulpolitik Lehrern und Erziehern vorschreibt, nicht mehr einverstanden sind. Die Zweiklassengesellschaft ist dank engstirniger Bildungspolitiker auch im Schulwesen längst angekommen.