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leserbriefe
Frauen, schämt euch!

Zu den Artikeln „In der Region nehmen Ärzte keine Abtreibungen mehr vor“ und „Der schwierige und lange Weg zur Abtreibung“ (TV vom 31. August) schreiben Gaby Mutmann-Klassen und Pfarrer Winfrid Krause:

Was für ein Frauenbild herrscht hier eigentlich vor? „Außerdem, so Sauter, müsse heute niemand mehr ungewollt schwanger werden. Trotzdem kennt er auch aus seiner Praxis Fälle, bei denen es so ist. Frauen etwa, die nach einem Seitensprung schwanger geworden sind und es dem Ehemann verheimlichen wollen. Oder Minderjährige aus muslimischen Familien, die ungeschützten Sex hatten und damit nicht mehr als Jungfrauen in die Ehe gehen dürfen.“ Frauen, die Seitensprünge haben, und Minderjährige, die nicht mehr als Jungfrauen durchgehen! Frauen, schämt euch!

Seit wann ist denn Verhütung alleinige Sache der Frau!? Die ständig zur Verfügung stehende Frau!? Jeder Mann sollte Kondome nutzen, um sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen. Damit wäre gleichzeitig etwas zur Verhütung getan. Aber anscheinend haben es die Männer nicht nötig. Und viele haben ja auch eine Latexallergie! Zudem sind Kondome nicht immer griffbereit, also ist  es einfacher, wenn die Frau ständig Hormone zu sich nimmt. Wieso ist die Pille für den Mann immer noch nicht auf dem Markt? Nimmt er etwa dadurch zu ... Stimmungsschwankungen, hormonelle Veränderungen?

Keine Frau wird leichtfertig eine Abtreibung in Kauf nehmen und deshalb nicht verhüten!

Gaby Mutmann-Klassen, Trier

Es ist gut, dass sich der Volksfreund einer sonst meist beschwiegenen und verdrängten Thematik stellt. Die verschiedenen Situationen von Frauen, die sich in einem Schwangerschaftskonflikt befinden, werden deutlich. Aber obwohl Bernd Wientjes betont, dass eine Abtreibung „die absolute Ausnahme bleiben sollte“, tritt er suggestiv für ihre Legalisierung ein („Noch immer wird der Schwangerschaftabbruch in Deutschland nach dem Paragrafen 218 des Strafgesetzbuches mit Freiheitsstrafe bedroht“). Der Leiter des Diakonischen Werkes Trier, Carsten Stumpenhorst, spricht sogar irrig vom „Recht auf Abtreibung“, die bei uns mit guten Gründen rechtswidrig ist, aber unter bestimmten Bedingungen (Beratung, Zwölf-Wochen-Frist) straffrei bleibt.

Die befragten Ärzte erinnern an den hippokratischen Eid, nach dem sie Leben retten und nicht töten sollen. Alle Beteiligten äußern zwar Verständnis für ungewollt schwangere Frauen, aber keinerlei Mitgefühl für die abgetriebenen unschuldigen Kinder. Hier zeigt sich eine auch sonst leider zu beobachtende Verrohung einer zunehmend entchristlichten Gesellschaft, die unter dem Deckmantel des Feminismus dem Egoismus von Studium, Karriere und Lebensplanung frönt und die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft – ohne mit der Wimper zu zucken – opfert.

Pfr. Winfrid Krause, Malborn, Bündnis Lebensrecht und Menschenwürde Trier