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Militär: Frieden beginnt in den Köpfen

Militär : Frieden beginnt in den Köpfen

Zur Berichterstattung über Krieg und Frieden auf der Welt sowie zur Klimakrise schreibt Norbert Bogerts:

Weihnachten, Fest des Friedens! Fest des Friedens? Weit gefehlt! Wir erleben eine Spirale der Aufrüstung. Unser Verteidigungshaushalt 2021 soll auf 46,8 Milliarden Euro steigen, um 1,2 Milliarden Euro mehr als 2020. Teile der Regierung streben eine Erhöhung auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2024 an, was Militärausgaben von über 80 Milliarden Euro bedeutet. Global flossen 2019 1,917 Billionen US-Dollar in globale Rüstungsausgaben. Kann so Sicherheit produziert werden?

Das Geld fehlt, wie die Pandemie gezeigt hat, in allen zivilen Bereichen, bei Schulen und Kitas, im sozialen Wohnungsbau, der Gesundheit, der Alterssicherung, dem ökologischen Umbau wie zum Beispiel in der Landwirtschaft, bei Artenschwund und Klimagerechtigkeit.

Die Klimakrise bedroht die Menschheit, Kriege und Naturzerstörung sind entscheidende Gründe für Vertreibung und Flucht und bedrohen somit weltweit Frieden und Sicherheit, wie schon der Brundtland-Report von 1987 betonte.

Doch sowohl Regierungen als auch der Weltklimarat blenden bisher die Rolle eines der größten Klimasünder, des Militärs, systematisch aus. Ein Eurofighter verbraucht zum Beispiel 3500 Kilogramm Treibstoff pro Flugstunde, was dem jährlichen Fußabdruck eines Bundesbürgers entspricht, der schon viel zu hoch ist. Der menschengemachte Klimawandel ist bekanntermaßen Verstärker von Konfliktfaktoren wie Nahrungsmittelunsicherheit, Armut, Wassermangel.

Dazu passt, dass die Regierungen der EU, der Nato-Länder, Russlands, Chinas und andere ihren Schwerpunkt mehr auf Flüchtlingsabwehr, Grenzsicherung, Aufstandsbekämpfung und die Kontrolle von Rohstoffquellen und Handelswegen legen. Sie definieren die Opfer der Klimakrise als Bedrohung und die Konfliktregionen als neue Märkte für die Rüstungsindustrie.

All das produziert das Gegenteil von Sicherheit: Ein neuer Rüstungswettlauf, neue Atomwaffen, autonome Waffensysteme wie z. B. bewaffnete Drohnen (siehe Kommentar von Werner Kolhoff vom 17. Dezember im TV) heizen Konflikte an und enden in Zerstörung, Tod und Flucht.

Abrüstung hingegen schafft Sicherheit und erforderliches Vertrauen. Für eine neue Entspannungspolitik ist ein System gemeinsamer Sicherheit und kontrollierter Abrüstung unabdingbar. Dazu benötigt es eine starke Zivilgesellschaft.

Frieden beginnt in den Köpfen. Möge Weihnachten solchen Wandel in möglichst vielen Köpfen, besonders bei Politikern, befördert haben!

Norbert Bogerts, Welschbillig