Fußball

Zum Artikel "Satz mit X: Der Weg ist frei für die XXL-WM!" und zum Kommentar "Gigantischer Blödsinn" (TV vom 11. Januar):

Fußball-WM mit 48 Nationen: finde ich gut! Ich bin ganz offensichtlich einer der wenigen Fußball-Interessierten, der die Aufstockung befürwortet und somit in den Augen der wahren Fußball-Fans ein Anhänger des Niedergangs des Fußballs ist - mindestens gehöre ich am Pfosten eines Fußballtores gemartert; bestenfalls bezeichnet man mich als verstrahlten Exoten. Was für ein Aufschrei nach der Entscheidung des Fifa-Councils! Am lustigsten fand ich Uwe Seeler, der bei wirtschaftlichem Interesse seitens der Fifa von "Mark" spricht: noch nicht in der Gegenwart angekommen, aber salbadert von der Zukunft des Fußballs. Meine Meinung: Die Fußball-WM hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem weltumspannenden Ereignis entwickelt. Mit welcher Arroganz glauben die etablierten Fußball-Nationen eine Teilnahme an diesem Ereignis dadurch zu verweigern, dass man eine geschlossene Gesellschaft aufgrund von Partikularinteressen bildet? Die Aufstockung auf 32 Nationen wurde auch schon mit Geheul begleitet, denn wer wollte schon Australien, Südkorea oder Togo dabeihaben (übrigens: alle in unserem ach so schönen Sommermärchen 2006; die sollen lieber Kängurus schießen, Pokemons jagen oder irgendwelche komischen Wurzeln essen). Und dann Island bei der EM: Oh Gott, diese vulkanisierten Schafshüter, bitte nicht. Da mussten wir zivilisierten Deutschen plötzlich das Wort "Hu" lernen, und die Fans klatschten noch dazu blöde über dem Kopf in die Hände. Drei Argumente werden aufgeführt, warum man eine WM mit 48 Nationen nicht durchführen sollte: Belastung der Spieler, Verwässerung beziehungsweise Qualitätsverlust, Kommerz. Alle drei Vorwürfe sind absurd. Belastung der Spieler: Auch in diesem Modus bedarf es sieben Spiele, um Weltmeister zu werden - wie bisher. Da man sicherlich die kleinen Nationen in einer Dreier-Gruppe zuerst spielen lässt, ist der Einstig in das Turnier sogar später als bislang. Wenn man nun noch die unsäglich langweiligen Verlängerungen eliminiert und stattdessen direkt ins Elfmeterschießen geht (Vorteil Deutschland!), reduziert sich sogar die Belastung. Verwässerung/Qualitätsverlust: als ob eine Gruppenphase in der Champions League interessanter wäre! Oder eine Bundesliga-Partie zwischen Bayern München und Darmstadt 98! Niemand wird gezwungen, sich Fußball-Partien anzusehen, auch nicht eine Partie zwischen Mali und Saudi-Arabien. Für die Menschen in diesen Ländern ist es aber interessant. Kommerz: der scheinheiligste Vorwurf schlechthin! Ja bitte schön, genau darum geht es doch den europäischen Top-Vereinen mit ihren mit vielen Nationalspielern gespickten Kadern. Sie stellen bei der WM ihre Spieler ins Schaufenster. Die Fifa ist doch hier nicht Vorreiter, sondern hechelt den wirtschaftlichen Interessen der Top-Vereine hinterher. Die Top-Vereine haben vor Jahren die USA und China als riesigen Markt entdeckt und haben die weltumspannende World Champions League in die Welt gesetzt. Wilfried Spiekermann, Trier Es ist nicht zu fassen: Wir haben jetzt im TV den allein- und alles wissenden Sport-Journalisten. Nur, um Weltmeister zu werden, muss jedes Land - wie bisher - sieben Spiele gewinnen. Selten so einen unsinnigen und unbegründeten Kommentar gelesen! Was sagen echte Fußballexperten? Große Chance für kleinere Nationen, das entfacht Euphorie und fördert die Jugend der Welt. Der Fußball gehört nun mal der ganzen Welt, auch Deutschland darf dabeisein. Vor allen Dingen fallen langweilige Gruppenspiele weg (hat der Super-Journalist je an die Gurkerei Deutschland-Österreich gedacht?). Fußball ist für alle! Dass Geld dabei eine große Rolle spielt, wissen wir seit dem "Sommermärchen". Hans Krieger, Trier