Fußball

Zum Artikel "So langsam zieht’s einem die Socken aus " (TV vom 5. März) und weiteren Beiträgen zum Skandal um das "Sommermärchen":

Der WM-Report der Kanzlei Freshfields hat viel Geld gekostet (circa 2,5 Millionen Euro) und wenig Aufklärung gebracht. Die Beauftragung der Kanzlei durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) war als Alibi zur Beruhigung der Medien und zur Aufbesserung des verlorenen Images des DFB gedacht. Damit sollte nach außen signalisiert werden: Wir wollen alles aufklären, ohne Rücksicht auf große Namen und leitende Personen. Dem DFB müsste bekannt gewesen sein, dass eine privat beauftragte Kanzlei nur ganz begrenzte Möglichkeiten hat, zentrale Fragen zu recherchieren. Somit war dies ein durchschaubares Spiel und das bescheidene Ergebnis vorhersehbar. Wir sehen den DFB in der Rolle des Aufklärers, und das war's dann! Jedoch sind mittlerweile auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft sowie die Schweizer Bundesanwaltschaft mit dem Fall beschäftigt. Mit ihren Mitteln sollten sie die Hintergründe aufklären können. Man kann nur hoffen, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Wenn man Franz Beckenbauer als Bauernopfer präsentiert, der sich an die hohen Zahlungen nicht recht erinnern kann, ist das eine schäbige Sache. Alle Orga-Team-Mitglieder und die damalige DFB-Spitze wussten ganz genau, wie die WM-Vergaben bei der Fifa ablaufen. Jeder wollte die WM, koste es, was es wolle, und wenige sollten es richten. Die 6,7 Millionen Euro waren wohl, wie anfangs vom DFB mitgeteilt, für eine Abschlussfeier bestimmt, die nie stattgefunden hat. Sämtliche Aussagen des DFB und der Mitglieder des WM-Orga-Teams kann man getrost als Sommermärchen bezeichnen. Jedoch, um es in der Fußballsprache zu sagen: Das Spiel ist noch nicht zu Ende, es geht jetzt in die zweite Halbzeit. Der DFB sollte bei der Korruptionsaufklärung die Vorreiterrolle spielen und zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine unbelastete neue Führung wählen. Nur so kann man wieder Vertrauen bei den Sportlern und in der Bevölkerung gewinnen. Konrad Theis, Trier