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Zum Artikel "Schiris: Legt ,Rumpelstilzchen\' an die Leine!" (TV vom 4. Juli):

Meinung

Wer schützt die Trainer vor den Schiedsrichtern?
Vorweg: Ich schätze Herbert Fandel. An seiner Leistung als Schiedsrichter war wenig bis gar nichts auszusetzen. Doch dieser Artikel schreit förmlich nach Kommentierung! Quintessenz der Tagung der Erst- und Zweitliga-Referees: "Regel Rumpelstilzchen." Die Schiedsrichter pfeifen die Bundesliga-Trainer zurück. Diese sollen künftig am Spielfeldrand nicht mehr ungestraft herumtoben, wenn sie mit den Entscheidungen der Referees nicht einverstanden sind. Herr Fandel sagt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Schiedsrichterkommission im Deutschen Fußballbund: "Es kann nicht sein, dass die Trainer da herumspringen wie verrückt", und nennt namentlich den Dortmunder Meistercoach Jürgen Klopp, den beliebtesten Trainer der Bundesliga. Und warum ist der so beliebt? Eben weil er Emotionen zeigt! Herr Fandel, glauben Sie mir, Jürgen Klopp ist beliebter als alle Bundesliga-Referees zusammen! Wenn ihr es schon geschafft habt, die Trainer in einen Käfig (Coaching-Zone) einzusperren, dann lasst sie sich in diesem Käfig doch wenigstens nach Herzenslust austoben! Herr Fandel verlangt mehr Respekt von den Trainern. Dann, bitte schön, bringt den Trainern auch Respekt entgegen! Wenn die Trainer eine Entscheidung kritisieren, nehmt euch nicht so wichtig, lasst sie toben und demonstriert nicht theatralisch eure Macht, indem ihr sie auf die Tribüne verbannt! Der wichtigste Aspekt bei der ganzen Sache: Die Schiedsrichter üben ihr (zugegebenermaßen nicht einfaches) Amt mehr oder weniger als Freizeitbeschäftigung aus, die auch noch gut bezahlt wird. Bei den Trainern ist dies allerdings nicht so. Es ist ihr Beruf! Von der einen oder anderen Entscheidung kann ihre weitere Existenz abhängen. Ein einziger Pfiff, sei er richtig oder falsch, kann darüber entscheiden, ob der Trainer in der nächsten Woche noch einen Arbeitsvertrag hat oder nicht. Die Trainer stehen unter immensem Druck. Und dieser Druck muss eben mal raus. Das ist natürlich und menschlich. Die Schiedsrichter werden doch durch das Regelwerk genug geschützt. Wenn einem Spieler ein falsches Wort entgleitet, fliegt er vom Platz. Nun wollt ihr die Trainer noch mehr in die Schranken weisen. Wenn das so weitergeht, dann frage ich mich, wer schützt demnächst die Trainer vor den Schiedsrichtern? Mit dem Vorhaben, die Trainer bei jeder Gefühlsregelung auf die Tribüne zu verbannen, erwiesen die Schiedsrichter dem Fußball einen Bärendienst, und dazu haben sie nicht das Recht. Die Zuschauer strömen auch (oder gerade deshalb) in die Stadien, um solche Emotionen zu erleben. Lieber Herr Fandel, gönnen Sie den Fans diesen Spaß. Herbert Blum, Ormont