Politik: Ganz reale leibhaftige Geister

Politik : Ganz reale leibhaftige Geister

Zu den Artikeln „,Lehrer-Pranger’ stößt auf Protest“ und „Ministerin Barley wirft AfD ,organisierte Denunziation’ vor“ (TV vom 12. Oktober) schreibt Kurt W. Eckstein:

Die AfD richtet in den Bundesländern Apps zur Überwachung der Lehrer – in Bezug auf Aussagen zu ihrer Partei – ein. Es sollen damit die Schüler zur Meldung der Lehrer mit negativen Parteibewertungen  aufgefordert werden. Ich weiß nicht, ob eine solche App rechtlich überhaupt zulässig ist. Es ist ja scheinbar nur eine Kleinigkeit, aber mit einer verheerenden Wirkung. Jedenfalls ist das, auf der Basis einer Parteiebene, eine populistische und höchst gefährliche, ideologische Installation und kann eine ganze Reihe böser Absichten verfolgen:

1. Verunsicherung in die Bürgerschaft zu bringen, eine Hysterie zu erzeugen, als ob hier wirklich etwas im Argen liege. Dem aber fehlt heute jegliche Grundlage.

2. Das Gefühl zu vermitteln, der demokratische Staat hätte das alles nicht mehr im Griff, so dass man eine Partei braucht, die das mal wieder in die Hand nimmt.

3. Die Lehrerinnen und Lehrer zu verängstigen, damit sie wirklich nicht mehr über die Parteien und die politischen Landschaften und Ziele diskutieren.

4. Den Schülern das Gefühl zu vermitteln, dass es bei der heutigen Regierung und den hiesigen Schulleitungen keinen Wert mehr hat, etwas zu reklamieren, weil es Mängel und Versäumnisse in den Beurteilungen gibt, so dass die Partei eingreifen muss. Die Glaubhaftigkeit der Lehrerschaft und der Schulleitung infrage zu stellen.

5. Die angeblichen Sammelwerke der Apps werden zu Grundlagen für Hetz- und Geisterdebatten in den Parlamenten führen, die der Regierungsarbeit empfindliche Störungen und Aufhalte bringen, oder eine reguläre Regierungsarbeit sogar unmöglich machen. Aber eines ist jetzt schon ganz sicher, die Apps werden nicht umsonst eingerichtet, sie werden auch liefern, ganz gleich, ob Schüler denunzieren oder nicht.

Das ist eine ganz infame populistische Unterwanderung des Schul- und Rechtswesens unseres demokratischen Staates. Die alten Leute sagen, das war doch alles schon mal da, da werden die Gespenster von 1932/33 wieder wach. Und sie meinen damit den Auftritt der damals jungen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Nein, das stimmt nicht ganz, es sind keine Gespenster, das sind ganz reale leibhaftige Geister, die sich da, abweichend vom Staatsrecht, alternativ um eine gezielte Bildung unserer Jugend kümmern wollen.

Ja, es ist richtig, dass es das alles schon mal gab. Auch damals waren die Lehrer der Anfang der geistigen Infiltration, die nächsten Leidtragenden waren die Pfarrer und Pastöre, dann kamen die Obmänner in den Betrieben, den Vereinen, Verbänden und Verwaltungen. Zum Schluss kamen die Polizei und die Gerichte. Nein, nein, es stimmt, ein digitales Netz und auch Apps gab es damals wirklich noch nicht, dafür gab es aber den „Völkischen Beobachter“, der nicht umsonst „Beobachter“ und nicht „Bote“ hieß. Wehret den Anfängen!

Kurt W. Eckstein, Bergweiler

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