Gefährliche Sucht

Rolf Seydewitz verschweigt wichtige Dinge über das Rauchen und betreibt Stimmungsmache im Sinne der Tabak- und Raucherlobby. Nur ein Drittel der Raucher zählt zu den Gelegenheitsrauchern; zwei Drittel sind suchtabhängig.

Die inzwischen veröffentlichten internen Tabakindustrie-Dokumente legen den Verdacht nahe, dass Tabakabhängigkeit von der Industrie durch technische Manipulation der Produkte und Beimischung giftiger Chemikalien gezielt herbeigeführt und gesteigert wird. Die Tabakindustrie leugnet dies; der Gesetzgeber duldet es auf Grund der enormen finanziellen Einflussnahme der Tabaklobby und mangelnden Drucks aus der Bevölkerung. Tabakabhängigkeit ist eine international anerkannte chronische Krankheit mit Krankheits- und Todesfolge (weltweit jährlich 1,5 Millionen Tote). Wenn in einem Film jemand raucht, bedeutet dies meist, dass andere mitrauchen müssen. Die schädigenden und tödlichen Folgen von Passivrauchen sind erwiesen und bekannter geworden. Es ist wichtig, (Passiv-)Rauchen als selbstverständlichen Teil des gesellschaftlichen Lebens, auch der medialen Darstellung, in Frage zu stellen, wie dies in Bezug auf andere Themen (zum Beispiel Pornographie, Gewalt) getan wird. Es geht dabei unter anderem um die Verantwortung und Vorbildfunktion von Künstlern und anderen Prominenten, die öffentlich rauchen, und um die Frage, ob wir Kindern und Jugendlichen, die für Suchtmittel besonders verführbar sind, eine Art von Genuss vermitteln und vorleben wollen, die wirklich wohltuend und nicht schädigend ist. Nichtraucherschutz bedeutet kein Verbot des Tabakkonsums, wohl aber dessen Verlagerung weg aus Bereichen, wo andere unfreiwillig Schaden erleiden, weil sie mitrauchen. In Ländern wie Luxemburg wurde das Verständnis für gesetzliche Maßnahmen erhöht durch eine vorherige öffentliche Auseinandersetzung. Stephan Kaut, Trier